„In arabischen Ländern bin ich so starken Frauen begegnet“

Najem Wali im Interview mit Renée Reif über seinen neuen Roman SARAS STUNDE, Saudi-Arabien, Stellvertreterkriege und das Märchen als Erzählform.
Der Standard, 16. Juni 2018
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STANDARD: Sara ist von Geburt an etwas Besonderes. Doch will sie nur ein selbstbestimmtes Leben führen. Ist das in Saudi-Arabien bereits etwas Besonderes?

Wali: Es ist nicht meine Absicht, saudische Frauen zum Mord aufzurufen. Mein Wunsch ist, dass alle Frauen so stark sind wie Sara, ihren Willen durchzusetzen. Ich kenne solche starken Frauen. In Saudi-Arabien und in anderen arabischen Ländern bin ich ihnen begegnet. Auch wuchs ich selbst in einer Familie starker Frauen auf. Ich hatte 13 Tanten, und ich weiß, wie stark sie alle waren.

STANDARD: Was treibt Saras Onkel als Tugendwächter an? Sexuelle Frustration kann es bei seinen vielen Frauen doch nicht sein.

Wali: Es ist der Wunsch, mächtig zu sein. Männer wie Saras Onkel wuchsen in dieser rigid konservativen Gesellschaft auf. Sie haben den Wahhabismus verinnerlicht, und sie gewinnen Macht durch ihn. Darum wird Saras Onkel immer fanatischer. Der Wahhabismus ist nicht nur eine Auslegung des Koran, der eine bestimmte Lebensweise vorschreibt. Er bildet auch die Ideologie des saudischen Staates. Muhammad ibn Saud schloss Mitte des 18. Jahrhunderts ein Bündnis mit al-Wahhab. Er unterstützte die Verbreitung von dessen Lehre und erhielt im Gegenzug die religiöse Rechtfertigung für seine Expansionsbestrebungen. So konnte der einst kleine Stadtstaat die ganze Arabische Halbinsel unter seine Herrschaft bringen.

STANDARD: Hat dieses Bündnis heute noch diese Bedeutung?
Das ausführliche Interview lesen Sie HIER

Beginnt so die echte Intifada der Frauen?

In seinem Roman Saras Stunde erzählt Najem Wali von einem Aufstand der Frauen in Saudi-Arabien. Nun scheint die Wirklichkeit seine Fiktion einzuholen.

Najem Wali im Feuillton der FAZ, 19. Juni 2018
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„(…) Als ich anfing, den Roman „Saras Stunde“ zu schreiben, begannen Fiktion und Fakten sich zu vermischen. Meine Sara – die Frau, deren Geschichte ich schrieb – ist teilweise realistisch gestaltet, aber sie enthält auch viel Fiktion, weil diese Sara ein Gesamtbild aller Frauen, die ich getroffen und deren Geschichten ich gehört habe, verkörpern sollte: Sie sind Frauen mit einem Körper aus Glas im Kampf gegen Stein in Saudi-Arabien, dem Königreich der Finsternis. In einem solchen Land, in dem die Wirklichkeit selbst grotesk und surreal ist, in dem eine Behörde tatsächlich den Namen „Behörde für die Verbreitung der Tugendhaftigkeit und für die Verhinderung von Lastern“ trägt, wo es Frauen nicht erlaubt ist, ihr Gesicht zu zeigen, Auto zu fahren, ein eigenes Konto einzurichten, über eine Kreditkarte zu verfügen und ohne Begleitung eines männlichen Verwandten (mindestens) zweiten Grades ins Ausland zu reisen oder einen Mann aus einfachen Verhältnissen zu lieben, zu heiraten, in einem derartigen Land kann Realismus nicht die Sprache der Literatur sein. Es muss in phantastischer Form erzählt werden. Nicht nur über diese eine junge Frau namens Sara, die den Aufstand wagt, sondern auch über andere Frauen, die so sind wie sie. Die Geschichte wird zu einer Art Märchen, das mit einem Mord als einzig denkbare Lösung beginnt und mit einer Intifada von Frauen endet.
Seit dem 19. Mai 2018 ist die in „Saras Stunde“ erfundene Intifada der Frauen keine Fiktion mehr. An diesem Tag berichteten Nachrichtenagenturen von der Verhaftung mehrerer Frauen in Saudi- Arabien, darunter: Loujain al-Hathloul, Iman al-Nafjan und Azziza al-Youssef. (…)“ Den ganzen Artikel lesen Sie HIER

Aufstand gegen den Tugendzwang

Sara ist keine politische Aktivistin, sie will keine großen Umwälzungen. Sie möchte „nur“ ein selbstbestimmtes Leben führen – in Saudiarabien auch eine Art von Revolution.

Alles in Saras Welt ist streng geregelt und vorgegeben. Jeder hat seine Aufgaben zu erledigen, seine Rollen auszufüllen, seine Grenzen einzuhalten. Innerhalb dieses Regelwerks hat Sara sich zu bewegen und ihr Leben zu arrangieren. In „Saras Stunde“ erzählt der Autor Najem Wali vom stillen Aufbegehren einer jungen Frau in Saudiarabien gegen die Scheinheiligkeit der Männergesellschaft.

DIE PRESSE, 26. Mai 2018
Die ganze Buchbesprechung von Irene Zöch finden Sie HIER

Die Fatwa ist passé

Wie wäre es, wenn der Iran die Fatwa gegen Rushdie annulierte? Najem Wali in der iranischen Botschaft.

Von Najem Wali
Süddeutsche Zeitung, 24. Mai 2018
Seit geraumer ZeitSeit geraumer Zeit schon trug ich mich mit der Idee, und seit sich die Fronten verhärteten, ja den ganzen Weltfrieden in Gefahr gebracht haben, wurde es Zeit zu handeln. Ich musste den iranischen Botschafter in Berlin treffen, ihn überzeugen, ohne dass er mich für einen Wahnsinnigen hält, und er musste die Idee an seine Regierung in Teheran weiterleiten: Iran soll die Fatwa gegen Salman Rushdie aufheben.

Doch wie anfangen? Ich beschloss, erst einmal den irakischen Botschafter aufzusuchen. Nur er konnte mir einen Termin bei seinem iranischen Amtskollegen verschaffen. Die Beziehungen zwischen Bagdad und Teheran sind derzeit sehr eng. Außerdem sind die Botschaften in Berlin fast Nachbarn. Der irakische Botschafter enttäuschte mich nicht und organisierte den Termin, obwohl ich ihm nicht einmal verraten hatte, worum es ging. Nur das erfuhr er von mir: Ich wollte einen Vorschlag beim iranischen Botschafter vorbringen, einen Vorschlag kultureller Natur.

Najem Wali und Sibylle Lewitscharoff im SPIEGEL – Gespräch

Najem Wali und Sibylle Lewitscharoff reden über das Kreuz, die Vollverschleierung – und die letzten Fragen sowieso.
Foto: Wolfgagn Stahr/DER SPIEGEL
Foto: Wolfgang Stahr/DER SPIEGEL

Die beiden ha­ben für ihr Buch »Abra­ham trifft Ibra­him. Streif­zü­ge durch Bi­bel und Ko­ran« neun Ge­stal­ten aus­ge­wählt, von Eva, Abra­ham und Mose über Lot, Hiob, Jona, Kö­nig Sa­lo­mo, die Jung­frau Ma­ria bis zum Teu­fel(*). De­ren Ge­schich­ten ge­hen sie ab­wech­selnd aus je ei­ge­ner Sicht nach. Ihr li­te­ra­risch-phi­lo­so­phi­scher Dia­log zwi­schen den Welt­re­li­gio­nen be­rührt die ewi­gen Mensch­heits­fra­gen Schuld und Ge­rech­tig­keit, Stra­fe und Er­bar­men, Ge­walt und Ver­söh­nung eben­so wie die Kri­sen un­se­rer Zeit.
DER SPIEGEL 19/2018. Das ganze Gespräch lesen Sie HIER

„ABRAHAM trifft IBRAHIM“

BERLINER Buchpremiere! Sibylle Lewitscharoff und Najem Wali präsentieren ihr Buch Abraham trifft Ibrahim. Streifzüge durch Bibel und Koran (Suhrkamp) am 9. Mai 2018 um 20.00 Uhr im Literaturforum im Brecht-Haus.

Cover Abraham

Von Abraham bis Eva, von Moses bis zum Satan: Neun Figuren aus Bibel und Koran haben die sprachmächtige Religionswissenschaftlerin Sibylle Lewitscharoff und der irakisch-deutsche Autor Najem Wali, »ein Freigeist und Moralist gleichermaßen« (Deutschlandfunk), ausgewählt. Deren Geschichten gehen die beiden aus ihrer je eigenen Sicht nach, temperamentvoll, engagiert, auch augenzwinkernd. Mit dem geplagten Hiob fragen sie nach der göttlichen Gerechtigkeit, mit Jona, dem ängstlichen Wal-Reisenden, nach Mut und Toleranz und berühren mit ihrem Dialog zwischen den Weltreligionen  die Krisengebiete unserer Zeit.

9. Mail 2018 um 20.00 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Chausseestraße 125, 10115 Berlin
Einlass ab 19:00 Uhr. (Eintritt: € 5,-/erm. € 3,-)

SARAS STUNDE auf Bestsellerliste Nummer 1

IJamalonm arabischen Raum gibt es diverse Onlineseiten zum Bücherverkauf, die größten heißen www.neelwafurat.com (Nil und Euphrat) und www.jamalon.com (Jamalon). Bei beiden steht SARAS STUNDE (Originaltitel ITHM SARA – SARA´S SIN) ganz oben auf der Bestsellerliste. Endlich im Reich der Bestsellerautoren! Und mit was für einem Roman? Einem Roman über eine rebellische Frau. Das zeigt, wie weit die arabische Gesellschaft durstig ist nach solchen Themen, nach solchen Frauen…

„Nur Frauen verändern dieses Unrecht.“

Im Interview mit den Salzburger Nachrichten erläutert Najem Wali seine Sicht auf die Sünde der Protagonistin seines neuen Romans SARAs STUNDE und versichert: „Ich plädiere nicht dafür, dass sie morden soll. Aber ich bin auf ihrer Seite.“

Das Interview führte Hedwig Kainberger
Salzburger Nachrichten, 13. April 2018

SN: „Saras Stunde“ erzählt über Veränderungen in Saudi-Arabien in den letzten drei Jahrzehnten.
Najem Wali: Es geht nicht allein um Saudi-Arabien, sondern um jede strenge Gesellschaft und die Situation der Frauen sowie um den Willen einer Frau, sich durchzusetzen. Es könnte auch ein anderes despotisches Land sein – ein anderer Golfstaat, ein anderes islamisches Land wie Afghanistan, vielleicht sogar in Europa. Saudi-Arabien ist ein starkes Beispiel, daher handelt der Roman dort. Ich will aber die Namen der Frauen, die in meinem Roman vorkommen, nicht nennen, denn sie leben dort.
SN: Wäre das zu gefährlich?
NW: Ja. Und ich traue, den Machthabern dort nicht.
Das ganze Gespräch lesen Sie HIER

Bittere Wirklichkeit in Saudi-Arabien

Najem Wali hat mit SARAs STUNDE wieder einen fulminanten, wunderbar erzählten Roman geschrieben, der die aktuellen Ereignisse, das scheinbare Tauwetter in Saudi-Arabien besser verstehen hilft.“

Buchtipp von Mario Scalla, hr2-kultur, Kulturfrühstück, 5. 4. 2018
In SARAs STUNDE wechselt Najem Wali den Schauplatz, verlässt den Irak, Land seiner Geburt und bevorzugter Ort seiner Romane, und führt uns nach Saudi-Arabien. Die Widersprüche treten zutage – Alt gegen Jung, Geschäft gegen Religion, Mann gegen Frau. Die ganze Rezension hören Sie HIER

Im Reich der Leserschaft

Bagdad, Erbil, Duhok. Najem Wali präsentierte SARAs STUNDE auf arabisch und deutsch bei mehreren Veranstaltungen im Irak.

Von Bagdad aus organisierte Thomas Koessler, Direktor des Goethe Instituts Irak, eine wunderbare Lesereise in den Norden des Landes. Wir hatten gelungene Veranstaltungen im Café Citadel und dem Dolce Vita Café in Erbil, sowie im Schriftstellerverband in Duhok mit tollem Publikum. Überall konnte ich mit großer Freude feststellen, wie viele Fans meine Bücher im Irak haben, und dass mein Publikum zu gut achtzig Prozent aus selbstbewussten, interessierten Leserinnen besteht. Die Begegnungen und Gespräche waren für mich ein Fest!

SARAs STUNDE in Bagdad

Signierstunden für Najem Walis neuen Roman SARAs STUNDE in der Al-Mutanabbi Straße, der Buchhändlerstraße, und ein paar Tage später auf der Bagdader Buchmesse. Was für ein Erlebnis!

Mein engagierter, neuer Verleger Mohammed Hadi vom Verlag Daralrafidain hat es gewagt und SARAs STUNDE veröffentlicht. Seine Rechnung ging auf. Nie hätte ich gedacht, dass die Leute Schlange stehen, um sich meine Bücher signieren zu lassen und mit mir zu sprechen. Das Bagdader Lesepublikum entpuppte sich als freundlich und liebevoll, informiert und kauffreudig und – zu fast achtzig Prozent als weiblich. Ich war überwältigt, von dem Ansturm und der Begeisterung einer bis lang nicht gekannten Fangemeinde in dieser Stadt, die jeden immer wieder überraschen kann.

21. März 2018, Bagdad

Welttag der Poesie

Irakisches MuseumDas Irakische Museum in Bagdad. Wer hat die Bilder vom April 2003 vergessen? Die US Marines marschieren durch Bagdad. Vergessen ist, dass beinhae zur selben Zeit andere Horden das Irakische Museum plünderten und zerstörten. Und jetzt findet dort am Welttag der Poesie eine Veranstaltung statt: mit Najem Wali, Asmus Trautsch und den Musikern Murat und Jamal von Inanna.

Ein wunderbares Ereignis und ein tolles waches und neugieriges Publikum, das nicht aufhören wollte zu diskutieren nach dem Lesungskonzert. Fragen wie: Welchen Einfluss hat die jüngere arabische Geschichte auf die deutschsprachige Gegenwartslyrik, ob man deutsche Gedichte auch singen könne, wie sich europäische und arabische Dichtungstraditionen in ihrem Verhältnis zur Musik unterscheiden, ob die historische Referenzperson in einem Gedicht sich zum Widmungsträger wie Henker zu Opfer verhält… Najem Wali übersetzte geduldig und nach der langen Veranstaltung gingen die Fragen weiter, der Kontaktaustausch, die gegenseitige Neugier. Danke, Menschen von Bagdad! Danke Hella Mewis, Thomas Koessler from Goethe Institut and all our partners here for the great organisation!

8. März 2018, Graz

Am 8. März 2018 schlug SARAS STUNDE. Im Afro-Asiatischen Institut Graz stellte Najem Wali anlässlich des Internationalen Frauentages seinen neuen Roman über eine rebellische junge Generation in Saudi-Arabien, dem Königreich des Sandes, einem interessierten Publikum vor. Ninja Reichert vom Schauspielhaus Graz interpretierte einige Passagen des Buches, und Imogena Doderer von der Kulturredaktion des ORF fragte den Schriftsteller nach seiner Motivation, einen „Frauenroman“ über Gewalt, Macht und die Scheinheiligkeit in einer hemmungslos korrupten Gesellschaft zu schreiben.

Literaturkritik: Tugendterroristen

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foto: cp-pictures

„Dieses Mädchen macht mir Angst“, sagt der Vater in Najem Walis Roman SARAs STUNDE über seine Tochter. Die Geschichte eines gerechten Mordes.
Literaturkritik in DER SPIEGEL 9/2018
von Lothar Gorris

Der Schriftsteller Najem Wali ist eine Art Satellit der arabischen Literatur, eine Stimme, die hinunterfunkt in eine Welt der Ungerechtigkeit. Anfang der Achtzigerjahre flüchtete er nach Deutschland. Seine Bücher schreibt er auf Arabisch. Fast alle wurden zuerst von seinem Verlag in Beirut veröffentlicht und erst später ins Deutsche übertragen. Ein Autor der arabischen Postmoderne, der sich selbst in seinen Büchern auftreten lässt und in orientalischen Schlaufen erzählt. Vor allem ist Wali ein Autor, der den Tabubruch sucht. SARAs STUNDE ist ein einziger Tabubruch. Die ausführliche Literaturkritik lesen Sie HIER

Die Angst vor dem Schrei

Ein weiter Weg: Najem Wali erzählt von „Saras Stunde“

F.A.Z. – Literatur und Sachbuch, 06.03.2018 100
von Lena Bopp

Zuletzt war aus Saudi-Arabien manch Gutes zu hören. Vom kommenden Sommer an soll es Frauen erlaubt sein, Auto zu fahren. Fürs Frühjahr wurde die Eröffnung des ersten Kinos angekündigt. Und schon vor einigen Wochen trat die libanesische Sängerin Hiba Tawaji beim ersten Popkonzert für Frauen in Riad auf. MBS, wie der Kronprinz Mohammed Bin Salman genannt wird, scheint es ernst zu meinen mit der angekündigten Modernisierung des Landes, die neben wirtschaftlichen manch heikle gesellschaftliche Felder betrifft.

Hierzulande erscheint in diesen Tagen allerdings ein Roman, der den guten Nachrichten aus Saudi-Arabien misstraut. Najem Wali, 1956 im Irak geboren und in den achtziger Jahren nach Deutschland ausgewandert, hat mit „Saras Stunde“ ein Buch geschrieben, in dem Saudi-Arabien als jenes „Königreich der Finsternis“ beschrieben wird, von dem spätestens seit den Terroranschlägen vom 11. September viel die Rede war. Mag sein, dass seine Protagonistin Sara auf eine Schule gehen darf, in der die Mädchen von den Jungen zumindest in den ersten Schuljahren nicht getrennt sind. Und dass man ihr gestattet, mit ihrer Freundin Alhanuf durch das Loch im Schulhofzaun zu entwischen, um sich im benachbarten Garten niederzulassen. Aber all die Nachsicht, die Saras Vater, ein im Kuweit-Krieg zu Reichtum gekommener Spediteur, seiner Lieblingstochter gewährt, schützt sie nicht vor den konservativen Kräften in ihrem Land…

STILBRUCH – Das Kulturmagazin

Najem Wali spricht im rbb Kulturmagzin STILBRUCH über seinen neuen Roman SARAs STUNDE. Saras Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. „Ich habe viele Geschichten gehört. Ich habe natürlich verschiedene Geschichten gehört. Meine Sara im Roman ist die Summe dieser Geschichten. Wenn Sie mich fragen, was war das für mich. Ich sage: Die Antwort ist mein Roman, dass durch den Roman die Frauen jetzt eine Stimme haben.“

So 25.02.2018 | 22:05 | rbb | Stilbruch – Das Kulturmagazin

SARAs STUNDE

Eine Frau rechnet mit der scheinheiligen Männergesellschaft in Saudi-Arabien ab.

SARA_DRKSARA, die Heldin in Najem Walis neuem Roman, steht für eine neue Frauengeneration in Saudi-Arabien. In seinem Roman rechnet die junge Frau mit der scheinheiligen Männergesellschaft in ihrem Land ab. Ihr Onkel, ein Salafist, hat ihr Leben zerstört – nun ist sie zurück und will Rache.
Im Gespräch mit Frank Meyer im DEUTSCHLANDFUNK KULTUR erklärt der Exil-Iraker Najem Wali, weshalb er einen Roman aus Saudi-Arabien schreibt. Das ganze Gespräch können Sie hier HÖREN oder NACHLESEN

Plädoyer für die Mitmenschlichkeit

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Sachbuch-Favorit: Najem Wali: DIE BALKANROUTE
Walis „Balkanroute“ sei allen empfohlen, die sich wirklich ein Bild machen wollen. Das Buch ist ein starkes Plädoyer für Mitmenschlichkeit und ein Hinweisgeber dafür, wie Europa es in Zukunft besser machen kann.
Mirko Schwanitz (Bayern 2 – Favoriten, 23. 1. 2018)
Die ganze Buchbesprechung zum Nachlesen finden Sie HIER

SARAs STUNDE

Der neue Roman von Najem Wali erzählt von Macht, Scheinheiligkeit und Rebellion in einer hemmungslos korrupten Gesellschaft.

Sara, Anfang zwanzig, steht am Krankenbett ihres Onkels. Scheich Yussuf al-Ahmad ist der Chef der „Behörde für die Verbreitung der Tugendhaftigkeit und der Verhinderung von Lastern“, ein Salafist, der zum Heiligen Krieg aufruft und junge Bräute an Dschihadisten vermittelt. Er hat Saras Leben zerstört – nun ist sie aus der Verbannung in London zurück und sinnt auf Rache. Najem Wali, Autor einer „Prosa von Weltrang“ (taz), erzählt von einer Gesellschaft von Superreichen, die absurder und verdorbener nicht sein könnte. Es ist die Geschichte einer mutigen Frau in Saudi Arabien, die aufbegehrt gegen Scheinheiligkeit und Gewalt und um ihre Freiheit kämpft.

Saras Stunde
Roman übersetzt aus dem Arabischen von Markus Lemke
Hanser Verlag, 352 Seiten, Hardcover
Weitere Informationen und eine Leseprobe finden Sie HIER

Die Balkanroute – Fluch und Segen der Jahrtausende

Kulturraum, Wirtschaftsstandort und Terrain menschlicher Träume: Najem Wali bereist die Balkanroute.
Eine Buchrezension von Dirk Hohnsträter Cover Balkanroute
WDR3 Mosaik, 10. 1. 2018

„Jeder Flüchtling hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Fluchterfahrungen, und was auch immer an Einzelheiten davon erzählt werden mag – es wird niemals ausreichen zu vermitteln, was er im Augenblick der Flucht empfunden hat.“ Najem Wali bricht auf. Er macht sich auf den Weg zu jenen, die an die Türen unseres Wohlstands klopfen, er bereist jene Nahtstelle zwischen der Türkei und Griechenland, zwischen Orient und Okzident, die man die Balkanroute nennt. „Und ich war meiner selbst überdrüssig, der ich mein alltägliches Leben lebte, als gäbe es nichts außerhalb der Wohlstandsblase dieses behaglichen Daseins. Denn wir tafeln bis zur Übersättigung, trinken bis zum Rausch, schwadronieren über alberne, nichtige Probleme, und Millionen von Menschen klopfen an unsere Türen, verlangen Hilfe und Rettung.“

Die ganze Sendung können Sie hier HÖREN oder NACHLESEN.

Die Balkanroute – Über Flucht und Bewegung

Im Sommer 2015 kamen hunderttausende Flüchtlinge über die Balkanroute nach Deutschland. Der Weg vom Nahen Osten nach Europa wurde zum Sinnbild für die Not von Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen. Najem Wali hat ein Buch über die Balkanroute geschrieben. Der gebürtige Iraker kam einst selbst auf diesem Weg nach Deutschland.
Eine Buchbesprechung von Marc Engelhardt

Eins stellt der in Basra geborene Najem Wali gleich zu Beginn dieses schmalen Buchs klar: Seine Flucht aus dem Irak vor mittlerweile 37 Jahren lässt sich nicht vergleichen mit den Strapazen derjenigen, die sich im Sommer 2015 auf den Weg nach Deutschland machten.

Wali reiste mit gefälschten Papieren, mit dem Zug von Istanbul über Sofia, Belgrad, Budapest und Prag nach Berlin, ohne Schleuser. Vergleichsweise komfortabel nennt er seine eigene Flucht. Vielleicht deshalb zwangen ihn die Fernsehbilder vor zwei Jahren geradezu, auf die Balkanroute zurückzukehren. „Mit einem Mal war mir klar, dass ich diese Reise unternehmen musste, die ich, ich weiß nicht wie viele Male schon, hatte in Angriff nehmen wollen. Ich musste die Sache mit eigenen Augen sehen, denn ich hatte genug von den Nachrichten und Sondersendungen auf allen Fernsehkanälen, die immerzu Bilder von verlorenen Gestalten aus dem Lager Idomeni und vor der abgeriegelten Grenze zu Mazedonien brachten oder aber von den Leichen der im Meer Ertrunkenen. Ich wollte reale Menschen sehen.“ 

Balkanroute – Schlagader der Zivilisation

dpa-Bildfunk: EPA : DJORDJE SAVIC
dpa-Bildfunk: DJORDJE SAVIC

Najem Wali hat ein Buch über die Balkanroute geschrieben. Der gebürtige Iraker kam einst selbst auf diesem Weg nach Deutschland. Von Marc Engelhardt 

Walis Buch trägt den Titel „Die Balkanroute“, doch es hat auch einen Untertitel: „Fluch und Segen der Jahrtausende“. Und durch die nimmt Wali seine Leser mit, von Abraham zu den Vorsokratikern in Milet, in das Babylon Nebukadnezars und die Sagenwelt des Gilgamesch-Epos. Geschickt zeigt der Autor, dass der Balkan seit jeher ein Bindeglied zwischen Ost und West war und die seit Jahrtausenden währende Migration eine treibende Kraft der Veränderung, ein Keim der Zivilisation. Den ganzen Bericht können Sie LESEN oder HÖREN.
Deutschlandfunk, ANDRUCK – Das Magazin für Politische Literatur (13. 11. 2017)

DIE BALKANROUTE – Fluch und Segen der Jahrtausende

Cover Balkanroute1Das neue Buch DIE BALKANROUTE von Najem Wali ist erschienen!

Angeregt durch die Flüchtlingsströme bereist Wali die Balkanroute und begibt sich im Gebiet zwischen der Türkei und Griechenland an die Nahtstelle zwischen Orient und Okzident. In seinem sehr persönlichen Bericht erzählt er von seinen Eindrücken, seinen Begegnungen mit Vertriebenen, Schutzsuchenden und Zurückgebliebenen und von der bewegten Geschichte der Levante, in der sich seit jeher reicher kultureller Austausch mit blutigen Vertreibungen abwechselten. (Mattes & Seitz Berlin, Reihe: punktum, 175 Seiten, September 2017)

Interviews und Besprechungen zum Buch sind zu hören im DeutschlandfunkSWR2ORF Ö1Deutschlandfunk Kultur, sowie nachzulesen im FALTER.

Im schönen Monat September war´s

Die AfD wurde in den Deutschen Bundestag gewählt. Ein Land unter Schock? Der Wille des Volkes erhört?

DER SPIEGEL befragte 24 Prominente am Tag der Wahl. Einer der Befragten war Najem Wali.

Foto: Philip Kojo Metz
Foto: Philip Kojo Metz

Najem Wali: „Wir brauchen nun keine Prognosen mehr, keine Statistiken, keine Umfragen. Das ist die Realität: Fast 13 Prozent der deutschen Wähler haben Rassisten, Hasspredigern und Nationalisten ihre Stimme gegeben.“ Sein ganzes Statement lesen Sie hier: DER SPIEGEL_Was sagen Sie zur Wahl?

Das also ist Bagdad? Echt jetzt?

Die Erfindung Bagdads
Café in Bagdad
Café Shabender in der Mutanabbi-Straße

Ein Exilant zu sein heißt: Die Fremde ist keine Heimat geworden, und die Frage nach einer Rückkehr wartet immer noch auf Antwort. „Das System Saddams ist weg“, sagt Wali, „aber die Gebäude und die Institutionen gibt es noch. Vielleicht sogar mit denselben Leuten.“

Der SPIEGEL Autor Lothar Gorris begleitete Najem Wali auf einer Reise nach Bagdad. Seinen Artikel über die Begegnung mit einer von Terror zerrissenen und verrottenden Stadt lesen Sie HIER Die Erfindung Bagdads – DER SPIEGEL