Krieg und Revolution? Nein danke!

Die einen beschäftigen sich mit den politischen Konflikten der Vergangenheit, die anderen wollen davon nichts mehr hören: Wie sich das Selbstbild der Schriftsteller in Guatemala, El Salvador und Nicaragua wandelt

von Najem Wali
erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Samstag, 14. November 2015

In seiner Rede anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises 1982 sprach Gabriel García Márquez über „die Einsamkeit Lateinamerikas“. Gut dreißig Jahre zuvor hatte ein anderer Nobelpreisträger, der Mexikaner Octavio Paz, über das „Labyrinth der (mexikanischen) Einsamkeit“ geschrieben.

„Einsamkeit“ scheint das Lieblingswort lateinamerikanischer Literaten zu sein. Und das trifft auch auf die Stimmung in den Ländern Zentralamerikas zu – mit Ausnahme von Costa Rica vielleicht, weil dieses Land für sich selbst den Mythos erschaffen hat, die „Schweiz Lateinamerikas“ zu sein. Seine Bewohner sollen einer jüngst veröffentlichten Statistik zufolge das glücklichste Volk der Welt sein, und es ist das einzige Land der Region, das weder Militärdiktaturen noch Bürgerkriege erleiden musste, ja nicht einmal eine eigene Armee hat. „In Zentralamerika stößt man doch täglich noch auf einen wahren Schatz an Geschichten!“, wie mir ein Schriftsteller aus Uruguay versicherte, der die Buchmesse in San José besucht hat. Seine Aussage entspricht der Wahrheit. In Ländern wie Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua zu leben ist eine Herausforderung. Nicht zuletzt darum ist die Literatur dieser Länder von Politik und der Auseinandersetzung mit der staatlichen Obrigkeit geprägt.

Bis zum Ende der achtziger Jahre, bis zum Ende des Kalten Krieges, mussten Schriftsteller aus diesen Ländern regelmäßig ins Exil gehen, wenn sie frei schreiben wollten. Heute, nachdem der Stern der Militärdiktatur gesunken ist und die Machthaber regelmäßig und friedlich durch Parlamentswahlen ausgetauscht werden, gibt es – zumindest formell – keine Zensur mehr. Jeder kann sich frei äußern. Dafür müssen die Autoren nun ihre Rolle neu suchen in Gesellschaften, die zwar Bürgerkriege überwunden haben, in denen jedoch viele alte Konflikte weiterschwelen. Heute finden sich Schriftsteller vielfach aufgerieben zwischen dem Hammer einer staatlichen Obrigkeit, die sich als demokratisch bezeichnet, aber die Kultur marginalisiert, und dem Amboss der schwierigen Sicherheitslage mit weitverbreiteter Kriminalität und Bandenwesen.

Lesen Sie den ganzen Artikel FAZ, 14. November 2015

Remarque-Friedenspreis

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL erhebt Najem Wali neue Vorwürfe gegen Adonis

Sigrid Brinkmann fragt nach
FAZIT | Deutschlandradio Kultur
Beitrag vom 12.11.2015 anhören

Wali sagte, Adonis den Friedenspreis zu verleihen, bedeute, Erich Maria Remarque quasi posthum ein zweites Mal auszubürgern.

Allmählich sollte sich die Stadt Osnabrück wohl fragen, ob sie nicht eine grundfalsche Entscheidung getroffen hat. Die Kritik an der aufs Frühjahr verschobenen Vergabe des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises an den syrisch-libanesischen Dichter Adonis nimmt nicht ab. Der in diesem Jahr mit der Goethe-Medaille ausgezeichnete Philosoph Sadik Al-Azm attestierte Adonis „Orientalismus der übelsten Sorte“. Der Zentralrat der Muslime, Menschenrechtsaktivisten oder auch Stefan Weidner, Adonis‘ Übersetzer,  kritisierten dessen uneindeutige Haltung zum Assad-Regime. Nun meldet sich der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali mit weiteren Vorwürfen.

Europäische Literaturtage 2015

Im Rahmen der Europäischen Literaturtage im österreichischen Spitz an der Donau spricht Najem Wali mit dem Journalisten Igor Bratož. Das Interview ist in der slowenischen Tageszeitung DELO erschienen.

Najem Wali: Iz eksila vidiš več kot iz Bagdadaw

Iraški pisatelj, avtor kultnega romana Bagdad Marlboro, o eksploziji ustvarjanja v Iraku.
Igor Bratož, delo kultura, 04.11.2015

Spitz 24 Oktober 2015 Igor Bratoz 3

Med udeleženci letošnjih Evropskih dnevov literature v Spitzu na Donavi je bil tudi iraški­ pisatelj Najem Wali. Begunec, ki v gladki nemščini na pamet deklamira Schillerja, je pred tremi desetletji prišel v Nemčijo s tristo dolarji in tremi knjigami.

Das ganze Interview ist nachzulesen HIER:

Der zweigeteilte Schriftsteller

„Ein Wort oder ein Satz muss duften wie frisches Brot“, sagte der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali im Deutschlandfunk.

Von Sigrid Brinkmann
Deutschlandfunk, 23. Oktober 2015

Der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali am Landwehr-Kanal in Berlin. (imago/stock&people) 

Najem Wali am Landwehr-Kanal in Berlin. (imago/stock&people)

Zweigeteilt fühlt sich der Schriftsteller: Ein Najem lebt in Berlin, der andere bleibt auf immer in Bagdad und wird nicht müde, von der Stadt seiner ersten unbändigen Sehnsucht zu erzählen. „Kolumbus entdeckte Amerika, ich Bagdad“ notiert der in Amâra, im Süden des Landes geborene Autor und nimmt den Leser von der ersten Seite an mit auf eine fantastische, lehrreiche und bisweilen melancholisch stimmende Entdeckungsreise – getragen von diesem einen Gefühl, dass Najem Wali klar benennt.

„Meine Liebe zu Bagdad hat mich veranlasst, dieses Buch zu schreiben, um den Menschen zu zeigen, wie schön diese Stadt war – die Stadt der Bücher, die Stadt der schönen Frauen mit Miniröcken, wer könnte das glauben? Selbst die jungen Leute im Irak, meine Neffen, wenn sie die Fotos sehen, das ist für sie wie Science-Fiction und sie denken, der Onkel hat eine Montage gemacht.“

Zwischen Sachbuch und Künstlerroman
Najem Wali beschwört den verlorenen Geist und das Flair der kosmopolitischen Weltstadt. Das mit vielen privaten Fotografien und alten Postkarten versehene und mit immenser Detailkenntnis geschriebene Werk hat die Qualitäten eines erzählenden Sachbuches, und doch kann man es ebenso gut als autobiographischen Künstlerroman lesen.

„Der Weg bis Frankfurt ist weit“

Najem Wali über die Internationale Buchmesse in Costa Rica

Börsenblatt, 21. Oktober 2015

Verglichen mit der Frankfurter Buchmesse ist die Buchmesse Costa Rica klein – groß ist sie trotzdem: Hier treffen sich Verlage aus den Ländern Mittelamerikas, bilden sich weiter, hoffen auf gute Geschäfte, knüpfen Kontakte zu Autoren und Lesern. Auch Najem Wali, in Deutschland lebender irakischer Schriftsteller, war diesmal dabei, begegnete Gioconda Belli und Ernesto Cardenal, und dem Programmmacher René Strien.
Ein Reisebericht. VON NAJEM WALI

EinigeExponenten

An der 16. Ausgabe der Internationalen Buchmesse Costa Rica, die vom 18. bis zum 27.  September in der Hauptstadt San José stattfand, nahmen 238 Aussteller aus dem In- und Ausland teil, der Großteil davon aus Mittelamerika. Auch wenn die Messe sich selbst als international bezeichnet, so machen doch die Veranstalter keinen Hehl daraus, dass sie vor allem ein Schaufenster für Verleger aus den Ländern Mittelamerikas – Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Panama und Costa Rica  – darstellen soll. Natürlich kamen auch Aussteller aus anderen Ländern Lateinamerikas und der Karibik, aus Uruguay, Argentinien, Mexiko, Chile, Kuba, der Dominikanischen Republik und Jamaika, doch deren Anteil blieb verhältnismäßig gering gegenüber denen aus Mittelamerika.

Argwohn gegenüber Büchern
Theoretisch gibt es zwar einen gemeinsamen Binnenmarkt und einen Zusammenschluss ähnlich der Europäischen Union, doch de facto haben die sechs Länder Mittelamerikas die Bedingungen und Anforderungen für den freien Verkehr von Gütern und Dienstleistungen und die Freizügigkeit der Bürgerinnen und Bürger nicht so umgesetzt, wie dies in Europa der Fall ist. Es ist allerdings besonders verwunderlich, wie schwierig sich der freie Austausch von Büchern angesichts hoher Steuern und Frachtkosten gestaltet. 

Traumstadt Bagdad – Eine erste Liebe

Wunderbar und entsetzlich – in den Sechzigern war Bagdad eine moderne Traumstadt, mit Straßenkreuzern und Casinos.

Sonja Zekri über Najem Walis neues Buch „Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“
Süddeutsche Zeitung, 12. Oktober 2014

Vater und Sohn sind glänzender Laune, der Ältere knapp dreißig, weißer Anzug, Krawatte, schmaler Schnurrbart, der Sohn sechs Jahre, gestreiftes Hemd, vor Aufregung halb tot. Folgendes ist ihr Plan für den ersten gemeinsamen Tag in der Hauptstadt: im Lieblingsplattenladen die neuesten Alben kaufen, die noch vor der Musik den Namen der Produktionsfirma abspielen. Im Buchladen Mackenzie nach neuen Ausgaben der deutschen Burda Moden schauen. Im Fotogeschäft ein Erinnerungsbild machen. Schließlich: einen Grundig-Fernseher bestellen, den das Geschäft zur Unterkunft in der Stadt und zu ihrem Auto liefert. Es ist ein gelber Chevrolet 60.

Jetzt die Eine-Million-Dollar-Frage: Von welcher Hauptstadt ist die Rede?

hr2 Kultur – Das aktuelle Kulturgespräch

Najem Wali zu Gast im Kulturcafé 
Bagdad macht heutzutage meist mit blutigen Anschlägen auf sich aufmerksam. Aber Najem Wali erinnert in seinem jüngsten Buch an die untergegangene Weltstadt. Er schildert die ganze Geschichte der irakischen Hauptstadt seit ihrer Gründung bis heute. Der Nukleus seinem Buchs ist jedoch das Bagdad, das er selbst erlebt hat: 1960, im Alter von sechs Jahren kam der Junge erstmals aus der Provinz in die Großstadt, später zog er zum Studium dorthin. 1980, nach Ausbruch des Iran-Irak-Kriegs, flüchtete der inzwischen studierte Literaturwissenschaftler und Literat nach Deutschland. Beitrag anhören
Buchtipp: „Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“, Hanser Verlag 2015
Quelle: © hr, 14.10.2015

nordwestradio – Buchtipp

„Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“

Über die Frankfurter Buchmesse zu schlendern ist aufregend, man sieht viel Neues und man entwickelt auch ein Gespür für die großen Themen, Fragen und Ungewissheiten, die uns aktuell beschäftigen. Dass derzeit so viele Menschen auf der Flucht sind, und dass wir uns in Europa so unglaublich schwer tun, diesen Menschen zu helfen, das ist natürlich diesmal das alles bestimmende Thema. In letzter Zeit sind einige wichtige Bücher dazu erschienen. Eines stammt von einem Autor, der selbst fluchtartig sein Land verlassen hat: Najem Wali, heute einer der wichtigsten Schriftsteller deutscher Sprache, der eigentlich aus dem Irak stammt. In seiner Jugend träumte er von Bagdad, als junger Mann lebte er dort und 1980 – zu Beginn des Irak-Iran-Krieges – verließ er die Stadt, sein Land, sein bisheriges Leben und kam nach Deutschland. Jetzt erzählt er uns von seinem Bagdad noch einmal, und im Gespräch mit Silke Behl, teilt er mit, was ihn bewogen hat, diesen (auch scherzhaften) Erinnerungen noch einmal Raum zu geben. Beitrag anhören
Autorin: Silke Behl

#FBM15 Countdown

Najem Wali und die Toleranz der Literatur

IM LAND DER DICHTER UND DENKERPortraitWali
Am 14. Oktober wird der irakische Schriftsteller und Journalist Najem Wali den diesjährigen Weltempfang zum Thema “Grenzen in Zeiten von Flucht und Vertreibung” mit eröffnen. Wali, der 1980 nach Ausbruch des Iran-Irak-Kriegs selbst nach Deutschland floh, erzählt uns im Interview, wie Literatur Brücken schlagen und für mehr Verständnis zwischen den Kulturen sorgen kann.

Der Weltempfang

Willkommen im Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung auf der Frankfurter Buchmesse. Der Weltempfang ist traditionell der Ort für Diskussionen und Gespräche mit internationalen Autoren zu politischen Themen. In diesem Jahr ist er erstmals in Halle 3.1 verortet, Thema ist „Grenzverläufe“.

fbm: Herr Wali, wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse waren, und wie Sie das Erlebnis empfunden haben?

Najem Wali: Ja, das habe ich noch sehr deutlich in Erinnerung. Das war 1985, ich studierte damals Germanistik in Hamburg. Ich war mit einem chilenischen Freund dort, der sich den chilenischen Stand ansehen wollte. Ein älterer Mann am Stand sprach mich auf Spanisch an und glaubte mir einfach nicht, dass ich kein Chilene bin. Er dachte die ganze Zeit, ich wolle ihn auf den Arm nehmen. Erst als ich ihm meinen Ausweis zeigte, sah er seinen Irrtum ein – meinte dann aber, ich müsse unbedingt Spanisch lernen – und zwar chilenisches Spanisch. Dieses Erlebnis habe ich noch sehr lebendig in Erinnerung. Seitdem bin ich oft auf der Frankfurter Buchmesse gewesen. Und seit 2004 mein erstes Buch bei Hanser erschienen ist, war ich fast jedes Jahr da. Die Messe ist für mich eine wichtige Gelegenheit, Kollegen und Freunde aus der ganzen Welt zu treffen.

fbm: Wie kann Literatur dazu beitragen, dass Menschen mehr Toleranz für andere Kulturen und Denkweisen entwickeln? 

Libros, censura y petrodólares

Najem Wali, escritor iraquí, estuvo en la Feria del Libro de San José y explicó las dificultades y las tentaciones de ser un escritor árabe.
POR AARÓN SEQUEIRA / aaron.sequeira@nacion.com

Un iraquí combate con la lengua alemana, que le exige colocar los verbos siempre en el mismo sitio en las oraciones. Acaba de llegar a Europa huyendo de la guerra en la que se bate su país con Irán. Es 1980; el iraquí, de 24 años, tiene la cabeza llena de historias. Muchas de esas historias las recogió en el cuartel durante los dos años que realizó el servicio obligatorio, antes de ser llamado a empuñar las armas, como dice él, de “ser obligado a matar”.

Sin embargo, también marcan sus historias las horas que pasó al lado de su abuela, mientras ella amasaba el pan en Basora, en el sur de Irak. Ella fumaba y contaba historias; fumaba y la ceniza nunca caía sobre el pan. 

Deutschlandradio

„Bagdad – Erinnerungen an eine Weltstadt“

Das neue Buch von Najem Wali zwischen Nostalgie und Utopie
Eine Betrachtung von Ingo Arend 

 Der deutsch-irakische Schrifsteller Najem Wali schreibt in „Bagdad – Erinnerungen an eine Weltstadt“ über sein Aufwachsen in der Hauptstadt Iraks – bis zur Flucht nach Deutschland 1980. Und er erinnert an die vergessene Moderne des Landes, das heute mit Fanatismus und Zerstörung assoziiert wird. Beitrag anhören.

Conversatorio sobre literatura y guerra

Batallas perdidas

por Arnulfo Agüero 08/09/2015 12:00 AM
LA PRENSA – El Diario de los Nicaragüenses

Las guerras siguen siendo un tema constante en muchos escritores que han narrado sus novelas en el exilio, sostiene el periodista y escritor iraquí Najem Wali, quien mañana sostendrá un conversatorio sobre literatura y guerra con el editor alemán Lutz Kliche, en el INCH, a las 6:30 p.m.

Wali huyó del gobierno de Saddam Hussein en 1980, para entonces había cumplido el servicio militar. En estos meses inició la guerra Irak e Irán y lo quisieron volver a reclutar. Decidió falsificar documentos militares y escapar hacia Alemania Occidental, país donde realizó su protesta y a la vez sus estudios de Filología. “Los conflictos de la guerra Irak e Irán iniciaron en septiembre de 1980, duraron ocho años y dejaron dos millones de muertos y más de un millón de inválidos”, recuerda el escritor cuestionando la inutilidad de los hechos bélicos. “Esta guerra, agregó, terminó en el mismo punto que había iniciado, no hubo ganadores ni perdedores”. 

Mission accomplished

Auf der Buchmesse in San José; NW mit Ernesto Cardenal, der sich als Dichter gerne Padre nennt; NW mit Sylvie Duran Salvatierras, der Kulturministerin von Costa Rica; Straßenmusiker in San José; NW mit dem panamaischen Schriftsteller Carlos Wynter

Das Ende meiner Reise musste kommen. Viele unterschiedliche Länder, Menschen und Begegnungen, und wenn ich zurückblicke, brachte alles große Bereicherung, neue Erfahrungen und Kenntnisse. Doch der Marinero en tierra musste zurück zu seinen Liebenden, zu seinem ewigen Exil Alemanía, wo ihn in Zeiten des Zorns sicherlich neue Aufgaben und Herausforderungen und ganz bestimmt andere Reisen erwarten… Adiós, Muchachos! … Hasta la vista bei der Buchmesse Frankfurt!

Und der Betrug geht weiter…

El Día de la Independencia, San José, Costa Rica

El inganio continua, der Betrug geht weiter. Ab dem 15. Jahrhundert haben die Spanier Mittel- und Lateinamerika erobert, ausgeraubt, die Menschen dort niedergemetzelt, versklavt und gedemütigt. Wer aber denkt, dass diese Demütigung, dieser Betrug, aufgehört hat, der täuscht sich. El inganio geht weiter, der Betrug, in Form eines Feiertags: „El Día de la Independencia“, der Tag der Unabhängigkeit.

Am 15. September feiert man seit dem 19. Jahrhundert von Mexiko bis Panama diesen Unabhängigkeitstag. In Nicaragua dauert der Betrug sogar noch länger. Dort feiert man ganze fünf Tage! Als ob die Indigenen, die Urbevölkerung, sich die Macht in ihren Ländern zurück erkämpft hätten. Nichts davon! 

 Wer die Machtstruktur in diesen sogenannten befreiten Länder betrachtet, stellt fest, dass dort immer noch die weiße Rasse regiert, die Nachfahren der Europäer, der ersten Eroberer, mit überwiegend spanischer Abstammung. In allen diesen Ländern findet man mehrheitlich diese Weißen im Fernsehen, in den Regierungen und in der Wirtschaft. Das ursprüngliche Volk findet man auf dem Markt, als Straßenverkäufer, in den Metros oder in den Banden der Desperados. 

Es lebe die Dichtung!

Die Dichtung fälscht. Aber was sie stark macht ist, dass sie uns das sagt und nicht verheimlicht. Damit siegt sie immer. Die Dichtung ist die Fälschung der Fälschung, die vor unseren Augen abläuft. Alles im Leben steht auf dem Kopf. Die Dichtung stellt es richtig: Auf die Füße… Und genau dadurch geht das Leben weiter. Das sagen uns die Dichter, egal, wo sie sind und wann sie lebten. Darum beginnen meine Reisen, egal wohin, mit der Suche nach den Dichtern, nach den toten und nach den lebenden. Meine literarische Expedition durch Zentralamerika ist da nicht anders. 

Auf den Fotos mit NW: Sergio Ramírez in seinem Büro in Managua; Gioconda Belli im Cultural Center Pablo Antonio Cuadra in Managua; der salvadorianische Dichter Manlio Argueta, Direktor der Nationalbibliothek im historischen Center von San Salvador; NW alleine im Casa Museum von Rubén Darío, einem der wichtigsten Dichter Lateinamerikas. Sein Porträt hängt über NWs Kopf.

Es leben die Dichter!

UniAutonomaVor der Universität Autonoma in San Salvador steht das Denkmal des großen Dichters Roque Dalton, der Gründer der Guerilla Bewegung Farabundo Martin war, die jetzt an der Macht ist. Dalton wurde von seinen Genossen fälscherweise als CIA Agent verdächtigt und ermordet.

Café de los Poetas

Im Café de los Poetas: Das Café der Dichter liegt im historischen Viertel von San Salvador im Herz der Stadt und in einer der gefährlichsten Zonen von Zentralamerika. Trotzdem treffen sich die Dichter dort. Sie lassen sich nicht einschüchtern.

HausErnstoCardenal

Im Haus des großen nicaraguanischen Dichters Ernsto Cardenal in Managua. Leider war der neunzigjährige krank und nicht zu sprechen. Seine Skulpturen sprechen für sich.

Nicaragua Agua Fuego

Vier Tage war ich in Managua, sieben in Nicaragua insgesamt und davon zwei in León, einer Provinzhauptstadt im Nordwesten. Es war die Einladung des Goethe Instituts in Kooperation mit dem PEN-Club Nicaragua, die mich auf die Reise in diesen Teil der Welt gelockt hat, für deren Organisation ich Sven Mensing vom Goethe Institut Mexico danken möchte.

In Managua fanden in diesem Rahmen zwei große Veranstaltungen statt. Eine davon war eine Diskussionsrunde über die „Freiheit der Expression“, die Carmen Aristegui (Investigative Journalistin aus Mexico und Journalistin für CNN), Josef Haslinger (Autor und Präsident des PEN-Club Deutschland), Miguel Huezo Mixto (Schriftsteller und UNO Mitarbeiter aus El Salvador), Carlos Fernando Chomoro (Herausgeber der Pressegrupp la Prensa aus Nicaragua), Gioconda Belli (Schriftstellerin aus Nicaragua) und ich, moderiert von Lutz Kliche, bestritten. Die andere war eine Lesung im El Instituto Nicaragüense de Cultura Hispánica in Managua, bei der ich Auszüge aus der spanischen Übersetzung von „Bagdad… Marlboro“ las und diskutierte.

Und was machte der Marinero sonst in Managua?

Jamaika und die WM-Qualifikation

MitWinfriedSchäferManaguaWer hätte das gedacht? In der Lobby des Hilton Hotel Managua traf ich am 7. September Winfried Schäfer, den Coach von Jamaikas Nationalmannschaft. Ich sagte ihm, ihr werdet das Spiel morgen gewinnen. Und das kam dann auch so. Am nächsten Abend hat Jamaika gegen Nicaragua im Heimspiel 2:0 gewonnen. Das Geheimnis? Ich glaube, ich habe es gehört. Die Mannschaft wohnte in der dritten Etage, wo auch mein Zimmer 306 war. Um 17 Uhr, 2 Stunden vor dem Spiel, haben sie mich aus meiner Siesta gerissen mit ihrer lauten Musik. Nein, es war kein Reggie. Es war einfach unglaublich laute Tanzmusik!

Un país güegüense

Najem Wali on a trip through the Marshes Suhain in South of Iraq, 1977
Najem Wali on a trip through the Marshes Suhain in South of Iraq, 1977
UNO NO ESCOGE

Uno no escoge el país donde nace;
pero ama el país donde ha nacido.

Uno no escoge el tiempo para venir al mundo;
pero debe dejar huella de su tiempo.

Nadie puede evadir su responsabilidad.

Nadie puede taparse los ojos, los oídos,
enmudecer y cortarse las manos.

Todos tenemos un deber de amor que cumplir,
una historia que nacer
una meta que alcanzar.

No escogimos el momento para venir al mundo:
Ahora podemos hacer el mundo
en que nacerá y crecerá
la semilla que trajimos con nosotros.

Gioconda Belli

Something unexpected crossing borders

BorderHonduras
Border in Honduras coming from El Salvador

Last Sunday, it happened to be the 6th of September, we took the bus from San Salvador to Managua. I could not believe how easy it was to cross three borders within 2 hours. Thanks to the german passport, I admit.

 

If only more people, if only every human being could cross borders in such a nice and easy way! But I am worried that this is just the dream of a crazy marinero en tierra.

GoingToNicaragua
Walking to Nicaragua

3. September, San Salvador

Das Centro Cultural de España war gut besucht an diesem Abend. Über 90 Zuhörer waren gekommen, darunter viele Studenten, um mit Najem Wali, der Dichterin Susan Reyes und dem Übersetzer, Lektor und Literaturvermittler Lutz Kliche über das Schreiben in Zeiten des Krieges und die Macht der Literatur zu diskutieren. Es wurde ein großartiger Abend mit spannenden Gesprächen! Danke an Susan Reyes für wunderbare Organisation!

Guatemala City – First Days in Central America

Guatemala City hat mich verschluckt. Die wenigen Tage gingen ineinander über. Was war zuerst? Was kam danach? Ich weiß es nicht mehr. Gut, wir hatten Jetlag und am ersten Mittag habe ich mit drei Schriftstellern so viel Chili und anderes, unsagbar Scharfes gegessen, dass mir der Abend nicht mehr ganz erinnerlich ist.

Am nächsten Tag die ersten Schritte durch die Stadt, ein leeres Viertel, lost in the City. In der angeblich gefährlichen Zona 1 wandelten wir ohne Angst, immer wieder verharrend in herzlichen Gesprächen mit den Menschen auf der Straße. Ein andermal die Begegnung mit dem Verleger Raul Figuerroa Satri, unser gemeinsames Essen mit meinem Weggefährten Lutz Kliche im spanischen Restaurant „La Mezquita“.

NW with Guatemalan Poets and Writers after reading, Guatemala City
NW with Guatemalan Poets and Writers after reading, Guatemala City

Und die Visite in der Biblioteca National? Ein unglaublicher Schatz. Ein paar Blocks weiter Demonstrationen. Mittendrin sind wir zu einem Treffen mit guatemaltekischen Schriftstellerinnen in einer Buchhandlung verabredet. Nur mehr mildes Essen, dafür scharfe Diskussionen. Die Stadt, in der das Volk so lange protestiert hat, bis sein korrupter Präsident zurück getreten ist, saugte mich auf mit ihrem Jubel und der Hoffnung auf eine neue Politik.

1. September 2015, Guatemala City

Was für eine historische Nacht in Guatemala City!
What a Historic Night in Guatemala City!
Que Noche historica en Guatemala City!
أية ليلة تاريخية في غواتيملا سيتي

GuatemalaCity_2Sept1
1. September 2015, Guatemala City

„Egal, wo Du hingehst, passiert irgendwas Großes“, sagt die Freundin. Und immer hat sie Recht. Diesmal ist es in Guatemala City passiert. Am 1. September 2015 ist der Präsident von Guatemala vom Parlament gestürzt worden wegen Korruption, Narco Traffic und Mord. Dienstagabend sind die Leute auf die Straße gegangen, um zu feiern. Ich habe mit ihnen vor dem Republik Palast gefeiert. Was für eine historische emotionale Nacht!

“Wherever you go something great will happen.”, says the girlfriend. All the time she is right. This time it happened in Guatemala City. The President of Guatemala was thrown out by the Parliament on September 1st accusing him of corruption, narcotraffic and assignation. On the evening of this historic first September the people went on the street to celebrate. I shared with them the moments in the main Place front of the Republic Palace. What a historical emotional night!

Guatemala City on September 1st, 2015
Guatemala City on September 1st, 2015

“Igual a dondete vayes se succedia algo grande”, dijo la compañera. Siempre tiene razón. Está vec se ha succido en Guatemala City. El Presidente de Guatemala se ha caido por el parlamento en 1 September 2015 acusado de corruption y Trafico de droga y assino. La jente salió a la calle celebranod el asunto. Yo celebré con illos frente del Palacio de la republica. Que noche hostorica y emotional.

أينما ذهبت، يحدث حدث كبير، تقول الصديقة. دائماً هي على حق. هذه المرة حدث في غواتيمالا سيتي. رئيس غواتيملا سقط بعد تصويت البرلمان برفع الحصانة عنه وتقديمه للمحكمة بتهمة الفساد والرشوة وتجارة المخدرات والتقل. الناس خرجت للشارع مبتهجة في يوم الثلاثاء الماضي. أحتفلت معهم في الليل أمام القصر الجمهوري.

Marinero en tierra

El Salvador_1 Najem Wali ist im September auf literarischer Expedition durch Zentralamerika. Sergio Ramírez, Gioconda Belli, Francisco Goldman, Vanessa Nuñez Handal, Óscar Castillo Rojas, Fernando Contreras Castro und andere, haben angekündigt seinen Weg zu kreuzen.

Najem, der Marinero en tierra, meldet sich demnächst mit Erzählungen aus Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama.

nordwest radio

 „Bagdad -Erinnerungen an eine Weltstadt“

Das jüngstes Buch von Najem Wali ist soeben erschienen. Ein Untergangstitel – und einer, in dem ein endgültiger Verlust mitschwingt. Aber mitten im Chaos und in den Untergangszenarien sorgen Walis Erinnerungen dafür, dass wir die orientalische Metropole vergangenen Tage noch einmal mit allen fünf Sinnen aufnehmen können. Ein schrecklich-schönes Leseerlebnis – meint Katrin Krämer am Sonntag, 23. August 2015. Beitrag anhören.