Das also ist Bagdad? Echt jetzt?

Die Erfindung Bagdads
Café in Bagdad
Café Shabender in der Mutanabbi-Straße

Ein Exilant zu sein heißt: Die Fremde ist keine Heimat geworden, und die Frage nach einer Rückkehr wartet immer noch auf Antwort. „Das System Saddams ist weg“, sagt Wali, „aber die Gebäude und die Institutionen gibt es noch. Vielleicht sogar mit denselben Leuten.“

Der SPIEGEL Autor Lothar Gorris begleitete Najem Wali auf einer Reise nach Bagdad. Seinen Artikel über die Begegnung mit einer von Terror zerrissenen und verrottenden Stadt lesen Sie HIER Die Erfindung Bagdads – DER SPIEGEL

Die Erfindung Bagdads

EXIL

Seit fast 40 Jahren lebt der im Irak geborene Schriftsteller Najem Wali in Deutschland, einem Paradies von Freiheit, Wohlstand, Demokratie. Sein Herz blieb zurück in einer von Terror zerrissenen und verrottenden Stadt, die Leute braucht wie ihn.

Najem Wali mit Lothar Gorris in der Raschid-Straße
Najem Wali mit Lothar Gorris in der Raschid-Straße

Für die Deutschen ist Wali ein Iraker. Für die Iraker ein Deutscher. Er selbst beharrt darauf, ein Exilant zu sein. Die Entfernung zwischen Exil und Heimat misst sich nicht in Metern, sondern in Jahren. Von Lothar Gorris

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL (Ausgabe 28/2017).

„Ich werde die Erfindung der Stadt unverdrossen fortsetzen. Mein ganzes Leben, bis zum Grab, will ich dieser Erfindung weihen, der Erfindung Bagdads.“ Najem Wali erzählt über sein Bagdad

Literarischer Jahresrückblick in der ARD

Das Literatur-Jahr 2016: Die besten Bücher

Dezember, nasskaltes graues Wetter draußen, das Schaufenster einer Buchhandlung in Berlin Prenzlauer Berg. Genau. Es ist wieder einmal Zeit für den literarischen Jahresrückblick. Diesmal mit dem Schriftsteller Najem Wali und dem Verleger Andreas Rötzer von Matthes & Seitz Berlin befragt und begleitet von Anne Kathrin Thüringer.

Schreiben als Antwort

„Creative Writing“-Kurs im Irak mit-den-teilnehmerin-der-trainer-ist-der-einzige-mann

LESART Deutschlandradio Kultur
Najem Wali im Gespräch mit Joachim Scholl

Wali sieht die intellektuelle Kultur im Irak wachsen, und die Frauen seien daran mehr als die Männer beteiligt. Gerade ist er aus Erbil zurückgekehrt, wo er „Creative Writing“ gelehrt hat. In seinem Kurs saßen 20 Frauen, von überall her aus dem Irak anreisten. Fünf Tage, in denen Wali hauptsächlich journalistisches Schreiben mit seinen Schülerinnen übte: vom Essay bis zur Reportage. Erstaunt war er über die Themen, die sich die Frauen aussuchten: Homosexualität beispielsweise. Ein Drittel von ihnen wird vermutlich weiterschreiben, berichtete Wali im Deutschlandradio Kultur. Aber auch für die anderen sei der Besuch des Kurses nicht umsonst gewesen: Diskussionen und der Austausch untereinander hätten alle beeinflusst. Den ganzen Beitrag hören Sie HIER

Zeitenwende in den USA?

„Populismus und Demagogie haben gewonnen.“, sagt Najem Wali im Interview mit Radio Bremen. „Als ob das Volk seinen Peiniger selbst wählt.“

Das ist aber nicht neu in den USA. Das war bei Bush junior genauso, nachdem er mit Lügen einen Krieg gegen den Irak begonnen hat. Trump im Weißen Haus, das ist noch mehr Grund für mich, schöne Literatur zu schreiben. Das ist die einzige Form wie man als Mensch, der nur den Stift als Waffe hat, darauf reagieren kann. Was kann man sonst machen, außer Artikel schreiben, sich mehr engagieren und neue Kontakte zu suchen? Man darf nicht aufgeben, die liberalen Kräfte müssen sich neu formieren und eine Front gegen diesen populistischen Aufmarsch bilden. Vielleicht ist diese Wahl auch ein Weckruf. Es ist die Zeit gekommen für alle, die liberal denken, die für eine offene Welt eintreten, sich neu zu formieren. In den 80ern gab es eine starke Friedensbewegung, vielleicht ist jetzt wieder die Zeit für eine neue, starke Friedensbewegung.

„Bedeutet die Wahl von Donald Trump auch eine Zeitenwende für die Welt, für die Menschenrechte und die Demokratie?“, fragt Inken Steen in der Sendereihe Buchpiloten Najem Wali. Das ganze Interview hören Sie HIER

„Wer töten will, braucht eine Ideologie des Hasses.“

„Wer töten will, braucht eine Ideologie des Hasses“, meint Najem Wali, und diese muss nicht immer religiös motiviert sein.

Der 11. September 2001 markiert für viele Menschen eine Zäsur. Bei den von islamistisch-motivierten Terroristen aus Al Qaida-Kreisen organisierten Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon kamen mehr als 3.000 Menschen ums Leben. Sie versetzten eine Nation in Schock und stürzten Amerika in einen Krieg gegen den Terror.

Najem Wali nähert sich in seinem neuen Buch „Im Kopf des Terrors. Vom Töten mit und ohne Gott“ dem Terrorismus von Seiten der Literaturgeschichte und versucht, eine Kulturgeschichte des Terrorismus zu verfassen. Der Terror sei oft als Phänomen der jüngeren Gegenwart verstanden worden, dabei sei völlig in Vergessenheit geraten, dass er schon immer Stoff für große Literaten, für Hemingway, Sartre, Dostojewski oder Büchner, gewesen ist.

Am 15. Jahrestag des 11. Septembers spricht Karin Fischer mit Najem Wali. Das ganze Gespräch hören Sie HIER
Kulturfragen im Deutschlandfunk, 11. September 2016

Im Kopf des Terrors. Vom Töten mit und ohne Gott

cover_1843Mein neues Buch „Im Kopf des Terrors. Vom Töten mit und ohne Gott.“ ist eine Kulturgeschichte des Terrorismus, ein literarisches Sachbuch, wie ich es nennen würde. Die Welt dreht sich einfach schneller, als ich einen Roman schreiben kann. Zudem ist es ungleich schwerer meinen Protagonisten etwas in den Mund zu legen, als es einfach selbst zu sagen. Im Roman verstecke ich das, was ich sagen will. Der Leser soll die Aussage finden und die Aussage soll wiederum zeitlos sein. Ein Sachbuch erlaubt es mir, direkter zu sein. Schriftsteller verstecken sich oft hinter sich selbst, sinnieren über ihr eigenes Leben. Hin und wieder sollte man allerdings über den Tellerrand schauen, seine Worte den aktuellen Ereignissen widmen und so Verantwortung übernehmen.

Mit „Im Kopf des Terrors“ erlaube ich mir, direkt zu sein. Ich nähere mich den Themen Terrorismus und Gewalt von Seiten der Literaturgeschichte. Weil wir den Terror oft als ein Phänomen der jüngeren Gegenwart verstehen und vielleicht auch verstehen wollen, ist mittlerweile völlig in Vergessenheit geraten, dass er schon immer Stoff für große Literaten, für Hemingway, Sartre, Dostojewski oder Büchner, gewesen ist.

Mein Buch soll nachdenklich machen, weil das Thema Terror komplex ist und wir uns zu oft mit eindimensionalen Erklärungen zufrieden geben. Was ich für besonders gefährlich halte, ist, dass wir stets versuchen den Terror als etwas Unnatürliches darzustellen und die Terroristen zu entmenschlichen – entweder indem wir sagen, dass sie krank sind oder dass sie einer kranken Ideologie folgen.

Ich freue mich, dass „Im Kopf des Terrors“ nun erscheint und hoffe auf eine angeregte Diskussion!

Im Kopf des Terrors. Vom Töten mit und ohne Gott. Von Najem Wali. Aus dem Arabischen von Markus Lemke. S. 160, Residenz Verlag, Salzburg, 2016.

Selbsternannte Herrscher über Leben und Tod

Was geht in den Köpfen von Terroristen vor? Damit beschäftigt sich Najem Wali in seinem neuen Buch „Im Kopf des Terrors. Vom Töten mit und ohne Gott“.

Najem Wali im Gespräch mit Sigrid Brinkmann
Deutschlandradio Kultur, 1. September 2016

Terroristen, die mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge fahren, Bombenleger und Selbstmordattentäter gehören mittlerweile zu unseren Schreckensbildern. Doch was geht in den Köpfen der Täter vor, was macht sie zu selbsternannten Herrschern über Leben und Tod? Sein Buch beginnt mit einem schockierenden  Ereignis: Vor knapp drei Jahren sprengten sich in Bagdad vier deutsche Selbstmordattentäter in die Luft. Für den Autor war das eine Art Initialzündung für das Nachdenken und Schreiben, so erzählt er im Deutschlandradio Kultur:  „Für mich war dieses Phänomen wirklich eine Herausforderung. Ich wollte wissen, warum diese Jugendlichen das tun.“ 

Das ganze Interview hören Sie HIER:

Deutscher Buchpreis – Longlist 2016

Die Longlist für den Deutschen Buchpreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels steht fest. 20 Titel hat die siebenköpfige Jury ausgewählt. Najem Wali spricht im Deutschlandradio Kultur über seine Erfahrungen als einziger Schriftsteller in der Jury. 

Dass die Wahl des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ihn, den Schriftsteller, für die Jury ausgewählt habe, sei ein „besonderer Fall“, sagt er im Interview. Da er nicht auf Deutsch, sondern in seiner Muttersprache Arabisch schreibe, sei er „keine Konkurrenz für die nominierten Autoren“ und somit auch nicht befangen in seinem Urteil. Außerdem habe der Börsenverein ein Zeichen setzen wollen „in diesen hitzigen Zeiten“: Auch er habe sein Leben in Deutschland vor 35 Jahren neu begonnen, nachdem er ins Exil gehen musste, sagte der studierte Germanist.

Foto: Claus Setzer
Foto: Claus Setzer

Das ganze Interview mit Najem Wali in der Sendung „Studio 9″ hören Sie HIER:

Literaturwerkstatt im Irak

Die schreibenden Frauen von Basra

Im Erzählen liegt die Rettung vor der Alltagskatastrophe: In einer Schreibwerkstatt im Irak verwandeln 25 Frauen verschiedener Herkunft das Unterdrückte in Geschichten.
Von NAJEM WALI

Die schreibenden Frauen von Basra
Die schreibenden Frauen von Basra, Juni 2016

Ein Prosaworkshop? Für Frauen in Basra? Meine letzte Reise in die irakische Hafenstadt lag schon zwei Jahre zurück, und ich erwartete nicht, dass sie sich positiv entwickelt hätte. Im Gegenteil, die Nachrichten von dort verhießen nichts Gutes, sei es, was die Zerstörung der Infrastruktur in den letzten Jahren anbetraf, sei es in Bezug auf den Niedergang staatlicher Autorität, das Nichtfunktionieren der Verwaltung oder die allgegenwärtige Korruption – die traditionelle Macht der Clans und den ausufernden Waffenbesitz nicht zu vergessen. Hinzu kommen die Ehrenmorde, denen jedes Jahr Dutzende von Frauen zum Opfer fallen. Unter derartigen Umständen also wollten beherzte deutsche Suffragetten dort eine Prosawerkstatt organisieren. Unter der Leitung eines Mannes. Ich nahm die Herausforderung an.
Den ganzen Artikel, erschienen in der FAZ, können Sie hier lesen: FAZ, Die schreibenden Frauen von Basra

Lecture-Performance „Hausbesuch“: Ein Bericht

Das Goethe-Institut Belgien lud Najem Wali am 11. und 12. Mai 2016 zur Lecture-Performance „Hausbesuch“ nach Brüssel ein. Die beiden Abende hätten unterschiedlicher nicht sein können. Najem Wali las aus seinem Roman Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt, diskutierte mit den anwesenden Gästen und tauschte sich mit ihnen aus.

Die erste Lesung fand in urgemütlicher Wohnzimmeratmosphäre mit anschließendem interessantem Austausch über IS-Terror und dessen Ursprung statt. Die zweite Lesung geschah vorwiegend mit irakischen und syrischen Flüchtlingen auf Arabisch. Ergreifende Momente, Musik, Gesang und der Austausch von Erfahrungen prägten diesen Abend.

Markus Bickel, freiberuflicher Journalist, war an beiden Abenden anwesend und schrieb danach einen Artikel Bagdad in Brüssel für die Berliner Zeitung, den Sie hier lesen können.

Lecture-Performance „Hausbesuch“: Najem Wali

EIN KÜNSTLER IN IHREM WOHNZIMMER

Auf Einladung des Goethe-Instituts kommen 2016 verschiedene Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland nach Belgien. Sie werden in Privatwohnungen eingeladen, wo sie für zwei Abende Carte Blanche bekommen und ganz nach Belieben tanzen, kochen, lesen, musizieren oder philosophieren können. Vielleicht nächstes Mal auch in Ihrem Wohnzimmer?

Für die Hausbesuche am 11. und 12. Mai können Sie den Schriftsteller Najem Wali zu sich nach Hause einladen. Gemeinsam mit ihm und Ihren Gästen können Sie über seine Werke und über seine Erfahrungen als Migrant reden. Auch die heutige Flüchtlingskrise wird sicherlich ein zentrales Thema des Abends werden. Najem Wali floh 1980 nach Ausbruch des iranisch-irakischen Kriegs vor Saddam Husseins Diktatur und emigrierte nach Norddeutschland. Sein Hintergrund als Migrant war in vielen seiner journalistischen Beiträge in arabischen und deutschen Zeitungen ein Thema. Auch in seinen Büchern tauchen häufig die Motive der Migration und Grenzen auf. In Reise in das Herz des Feindes untersucht Najem Wali Israel, basierend auf Sartres existentiellem Grundprinzip: „Lerne das Fremde erst kennen, bevor du dir eine Meinung darüber bildest“. Wali steht den arabischen Obrigkeiten sehr kritisch gegenüber und entlarvt Vorurteile gegenüber Israel. Sein Roman ist ein Aufruf für Frieden und Zusammenarbeit und für das Abschaffen von Grenzen.

ZWISCHENTÖNE im Deutschlandfunk

Najem Wali im Gespräch mit Joachim Scholl

Spitz 24 Oktober 2015 Igor Bratoz 3

Er war 24, als sein Land 1980 einen absurden Krieg gegen Iran vom Zaum brach: Der junge Iraker Najem Wali wollte kein Kanonenfutter sein, fälschte seinen Pass und desertierte nach Deutschland.

Nach einem Studium der Germanistik in Hamburg begann Najem Wali seinen Weg als Schriftsteller und Journalist. In Romanen, Erzählungen und Reportagen hat Najem Wali immer wieder die Konflikte in und mit der arabischen Welt reflektiert, zuletzt in seinem preisgekrönten Roman „Bagdad.Marlboro“.

Von seinem Leben als irakischer UND deutscher Schriftsteller erzählt Najem Wali in den „Zwischentönen“.

Deutscher Buchpreis 2016

Die Jury steht fest

Diese sieben Literaturexperten entscheiden, wer den Deutschen Buchpreis 2016 erhält: Die Akademie Deutscher Buchpreis hat Thomas Andre (Hamburger Abendblatt), Lena Bopp (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Berthold Franke (Goethe-Institut Prag), Susanne Jäggi (Librium Bücher, Baden), Christoph Schröder (freier Kritiker, Frankfurt am Main), Sabine Vogel (Berliner Zeitung) und Najem Wali (Autor und Kritiker, Berlin) in die diesjährige Jury berufen.

Bagdad – die verlorene Stadt

Muslime beim Freitagsgebet in der Imam Mousa al-Kadhom Moschee in Bagdad (dpa / picture alliance / Ali Abbas)
Muslime beim Freitagsgebet in der Imam Mousa al-Kadhom Moschee in Bagdad (dpa / picture alliance / Ali Abbas)

Deutschlandradio Kultur
Marie Sagenschneider über „Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“
von Najem Wali (Carl Hanser Verlag 2015)
Beitrag anhören

Bagdad blickt auf eine lange Geschichte zurück. Einst war die Stadt im heutigen Irak der kulturelle Nabel der Welt. Davon erzählt das neue Buch des Schriftstellers Najem Wali – und von persönlichen Erinnerungen.
Najem Wali erzählt die Geschichte einer verlorenen Stadt: Bagdad, dessen große Blütezeit um 800 lag, als Harun-al-Raschid sie zum kulturellen Nabel der Welt machte. Wali verknüpft die Geschichte Bagdads mit seinen persönlichen Erinnerungen, führt uns durch Straßen und durch historische Ereignisse, und obwohl man weiß, dass es dieses Bagdad nicht mehr gibt, möchte am liebsten sofort seine Koffer packen und dorthin hinreisen.

Najem Wali bei ARD-alpha

In seinem jüngsten Roman „Bagdad: Erinnerungen an eine Weltstadt“ (2015) lässt Najem Wali noch einmal „sein Bagdad“ Revue passieren.
„Ich erzähle ein Schicksal, ich erzähle die Geschichte eines Menschen und wie er gelebt hat. Ich beschreibe das, was mich dabei interessiert. Welche Schlüsse dann daraus gezogen werden, überlasse ich dem Leser. Wenn man Geschichten erzählt, die von Flucht, Gefängnis oder Krieg handeln, dann kommt im Hintergrund natürlich immer die Politik mit in die Geschichte hinein. Man kann nicht so tun, als wäre sie nicht da, denn wenn es z. B. einen Krieg gibt, dann muss es einen politischen Grund dafür geben; wenn es eine Massenflucht gibt, dann muss es dafür im Hintergrund auch politische Gründe geben.“

Diwan – Das Büchermagazin

Von der Münchner Bücherschau – 21.11.2015
„Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“: Najem Wali über Bagdads Moderne und die Zerstörung/ „Der Automobilclub von Kairo“: Bestseller-Autor Alaa al-Aswami über das Kairo der 40er Jahre und die Revolution/ „Die Poetry Slam Fibel“: Slam-Pionier Bas Böttcher und Beatboxer Dalibor Markovic? über 20 Jahre Poetry Slam und aktuelle Texte/ Hörbuch der Woche: F.Scott und Zelda Fitzgerald auf der „Straße der Pfirsiche“/ Das literarische Rätsel-Taxi/ Moderation: Cornelia Zetzsche Beitrag anhören

Remarque-Friedenspreis

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL erhebt Najem Wali neue Vorwürfe gegen Adonis

Sigrid Brinkmann fragt nach
FAZIT | Deutschlandradio Kultur
Beitrag vom 12.11.2015 anhören

Wali sagte, Adonis den Friedenspreis zu verleihen, bedeute, Erich Maria Remarque quasi posthum ein zweites Mal auszubürgern.

Allmählich sollte sich die Stadt Osnabrück wohl fragen, ob sie nicht eine grundfalsche Entscheidung getroffen hat. Die Kritik an der aufs Frühjahr verschobenen Vergabe des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises an den syrisch-libanesischen Dichter Adonis nimmt nicht ab. Der in diesem Jahr mit der Goethe-Medaille ausgezeichnete Philosoph Sadik Al-Azm attestierte Adonis „Orientalismus der übelsten Sorte“. Der Zentralrat der Muslime, Menschenrechtsaktivisten oder auch Stefan Weidner, Adonis‘ Übersetzer,  kritisierten dessen uneindeutige Haltung zum Assad-Regime. Nun meldet sich der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali mit weiteren Vorwürfen.

Der zweigeteilte Schriftsteller

„Ein Wort oder ein Satz muss duften wie frisches Brot“, sagte der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali im Deutschlandfunk.

Von Sigrid Brinkmann
Deutschlandfunk, 23. Oktober 2015

Der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali am Landwehr-Kanal in Berlin. (imago/stock&people) 

Najem Wali am Landwehr-Kanal in Berlin. (imago/stock&people)

Zweigeteilt fühlt sich der Schriftsteller: Ein Najem lebt in Berlin, der andere bleibt auf immer in Bagdad und wird nicht müde, von der Stadt seiner ersten unbändigen Sehnsucht zu erzählen. „Kolumbus entdeckte Amerika, ich Bagdad“ notiert der in Amâra, im Süden des Landes geborene Autor und nimmt den Leser von der ersten Seite an mit auf eine fantastische, lehrreiche und bisweilen melancholisch stimmende Entdeckungsreise – getragen von diesem einen Gefühl, dass Najem Wali klar benennt.

„Meine Liebe zu Bagdad hat mich veranlasst, dieses Buch zu schreiben, um den Menschen zu zeigen, wie schön diese Stadt war – die Stadt der Bücher, die Stadt der schönen Frauen mit Miniröcken, wer könnte das glauben? Selbst die jungen Leute im Irak, meine Neffen, wenn sie die Fotos sehen, das ist für sie wie Science-Fiction und sie denken, der Onkel hat eine Montage gemacht.“

Zwischen Sachbuch und Künstlerroman
Najem Wali beschwört den verlorenen Geist und das Flair der kosmopolitischen Weltstadt. Das mit vielen privaten Fotografien und alten Postkarten versehene und mit immenser Detailkenntnis geschriebene Werk hat die Qualitäten eines erzählenden Sachbuches, und doch kann man es ebenso gut als autobiographischen Künstlerroman lesen.

Traumstadt Bagdad – Eine erste Liebe

Wunderbar und entsetzlich – in den Sechzigern war Bagdad eine moderne Traumstadt, mit Straßenkreuzern und Casinos.

Sonja Zekri über Najem Walis neues Buch „Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“
Süddeutsche Zeitung, 12. Oktober 2014

Vater und Sohn sind glänzender Laune, der Ältere knapp dreißig, weißer Anzug, Krawatte, schmaler Schnurrbart, der Sohn sechs Jahre, gestreiftes Hemd, vor Aufregung halb tot. Folgendes ist ihr Plan für den ersten gemeinsamen Tag in der Hauptstadt: im Lieblingsplattenladen die neuesten Alben kaufen, die noch vor der Musik den Namen der Produktionsfirma abspielen. Im Buchladen Mackenzie nach neuen Ausgaben der deutschen Burda Moden schauen. Im Fotogeschäft ein Erinnerungsbild machen. Schließlich: einen Grundig-Fernseher bestellen, den das Geschäft zur Unterkunft in der Stadt und zu ihrem Auto liefert. Es ist ein gelber Chevrolet 60.

Jetzt die Eine-Million-Dollar-Frage: Von welcher Hauptstadt ist die Rede?

hr2 Kultur – Das aktuelle Kulturgespräch

Najem Wali zu Gast im Kulturcafé 
Bagdad macht heutzutage meist mit blutigen Anschlägen auf sich aufmerksam. Aber Najem Wali erinnert in seinem jüngsten Buch an die untergegangene Weltstadt. Er schildert die ganze Geschichte der irakischen Hauptstadt seit ihrer Gründung bis heute. Der Nukleus seinem Buchs ist jedoch das Bagdad, das er selbst erlebt hat: 1960, im Alter von sechs Jahren kam der Junge erstmals aus der Provinz in die Großstadt, später zog er zum Studium dorthin. 1980, nach Ausbruch des Iran-Irak-Kriegs, flüchtete der inzwischen studierte Literaturwissenschaftler und Literat nach Deutschland. Beitrag anhören
Buchtipp: „Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“, Hanser Verlag 2015
Quelle: © hr, 14.10.2015

nordwestradio – Buchtipp

„Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“

Über die Frankfurter Buchmesse zu schlendern ist aufregend, man sieht viel Neues und man entwickelt auch ein Gespür für die großen Themen, Fragen und Ungewissheiten, die uns aktuell beschäftigen. Dass derzeit so viele Menschen auf der Flucht sind, und dass wir uns in Europa so unglaublich schwer tun, diesen Menschen zu helfen, das ist natürlich diesmal das alles bestimmende Thema. In letzter Zeit sind einige wichtige Bücher dazu erschienen. Eines stammt von einem Autor, der selbst fluchtartig sein Land verlassen hat: Najem Wali, heute einer der wichtigsten Schriftsteller deutscher Sprache, der eigentlich aus dem Irak stammt. In seiner Jugend träumte er von Bagdad, als junger Mann lebte er dort und 1980 – zu Beginn des Irak-Iran-Krieges – verließ er die Stadt, sein Land, sein bisheriges Leben und kam nach Deutschland. Jetzt erzählt er uns von seinem Bagdad noch einmal, und im Gespräch mit Silke Behl, teilt er mit, was ihn bewogen hat, diesen (auch scherzhaften) Erinnerungen noch einmal Raum zu geben. Beitrag anhören
Autorin: Silke Behl

#FBM15 Countdown

Najem Wali und die Toleranz der Literatur

IM LAND DER DICHTER UND DENKERPortraitWali
Am 14. Oktober wird der irakische Schriftsteller und Journalist Najem Wali den diesjährigen Weltempfang zum Thema “Grenzen in Zeiten von Flucht und Vertreibung” mit eröffnen. Wali, der 1980 nach Ausbruch des Iran-Irak-Kriegs selbst nach Deutschland floh, erzählt uns im Interview, wie Literatur Brücken schlagen und für mehr Verständnis zwischen den Kulturen sorgen kann.

Der Weltempfang

Willkommen im Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung auf der Frankfurter Buchmesse. Der Weltempfang ist traditionell der Ort für Diskussionen und Gespräche mit internationalen Autoren zu politischen Themen. In diesem Jahr ist er erstmals in Halle 3.1 verortet, Thema ist „Grenzverläufe“.

fbm: Herr Wali, wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse waren, und wie Sie das Erlebnis empfunden haben?

Najem Wali: Ja, das habe ich noch sehr deutlich in Erinnerung. Das war 1985, ich studierte damals Germanistik in Hamburg. Ich war mit einem chilenischen Freund dort, der sich den chilenischen Stand ansehen wollte. Ein älterer Mann am Stand sprach mich auf Spanisch an und glaubte mir einfach nicht, dass ich kein Chilene bin. Er dachte die ganze Zeit, ich wolle ihn auf den Arm nehmen. Erst als ich ihm meinen Ausweis zeigte, sah er seinen Irrtum ein – meinte dann aber, ich müsse unbedingt Spanisch lernen – und zwar chilenisches Spanisch. Dieses Erlebnis habe ich noch sehr lebendig in Erinnerung. Seitdem bin ich oft auf der Frankfurter Buchmesse gewesen. Und seit 2004 mein erstes Buch bei Hanser erschienen ist, war ich fast jedes Jahr da. Die Messe ist für mich eine wichtige Gelegenheit, Kollegen und Freunde aus der ganzen Welt zu treffen.

fbm: Wie kann Literatur dazu beitragen, dass Menschen mehr Toleranz für andere Kulturen und Denkweisen entwickeln? 

Deutschlandradio

„Bagdad – Erinnerungen an eine Weltstadt“

Das neue Buch von Najem Wali zwischen Nostalgie und Utopie
Eine Betrachtung von Ingo Arend 

 Der deutsch-irakische Schrifsteller Najem Wali schreibt in „Bagdad – Erinnerungen an eine Weltstadt“ über sein Aufwachsen in der Hauptstadt Iraks – bis zur Flucht nach Deutschland 1980. Und er erinnert an die vergessene Moderne des Landes, das heute mit Fanatismus und Zerstörung assoziiert wird. Beitrag anhören.

nordwest radio

 „Bagdad -Erinnerungen an eine Weltstadt“

Das jüngstes Buch von Najem Wali ist soeben erschienen. Ein Untergangstitel – und einer, in dem ein endgültiger Verlust mitschwingt. Aber mitten im Chaos und in den Untergangszenarien sorgen Walis Erinnerungen dafür, dass wir die orientalische Metropole vergangenen Tage noch einmal mit allen fünf Sinnen aufnehmen können. Ein schrecklich-schönes Leseerlebnis – meint Katrin Krämer am Sonntag, 23. August 2015. Beitrag anhören.

Nibelungenfestspiele in Worms

Screen Shot 2015-07-30 at 16.21.42Am Freitag, den 14. August, habe ich die Ehre in Worms im Rahmenprogramm der Nibelungenfestspiele die erste Rede zu halten.

15.30 Uhr / Château Schembs – Försterbau
REDE I VON NAJEM WALI
Der Autor Najem Wali, in dessen Heimat Irak Kriegszustand herrscht, ist eingeladen, über seine heutige Sicht auf das Nibelungenlied und dessen grenzüberschreitende Aktualität zu sprechen.

Anspruchsvolles Rahmenprogramm mit aktuellen Bezügen

Das Festspielprogramm findet mit einem von Albert Ostermaier kuratierten und hochkarätig besetzten Programm seinen Abschluss. Einige der herausragendsten deutschen Schauspieler, spannende Autoren aus der ganzen Welt sowie Deutschlands beste Spoken-Word-Poeten trafen sich, um sich den brennenden Fragen unserer Zeit zu stellen. Mit dabei waren unter anderem Jurij Andruchowytsch, Abasse Ndione, Feridun Zaimoglu, Volker Braun, Rawi Hage, Najem Wali, Alawiyya Sobh, Sherko Fatah, Hannelore Elsner, Thomas Thieme, Udo Samel, Marcel Reif, Stefan Weidner, DJ Munk und Peter Licht.

Albert Ostermaier: „Ich bin über das, was wir hier beim Rahmenprogramm erlebt haben, mehr als glücklich. Die Künstler haben mit ihren herausragenden Texten und Beitragen auf faszinierende Weise das Nibelungenlied als Spiegel der Gegenwart belebt. Wir haben Blickwinkel erleben dürfen, die immer auch Blickwechsel waren und neue, überraschende, begeisternde Perspektiven eröffnet. Das Festival war politisch, poetisch, provokant und zugleich voller Witz und Esprit. Es kam zu Begegnungen, die wieder zu neuen Projekten führen und Worms als Ursprung haben werden. Das Publikum war nicht nur hautnah dabei, sondern im Gespräch und Austausch mit allen Teilnehmern. So kann es weitergehen!“