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Krieg und Revolution? Nein danke!

Die einen beschäftigen sich mit den politischen Konflikten der Vergangenheit, die anderen wollen davon nichts mehr hören: Wie sich das Selbstbild der Schriftsteller in Guatemala, El Salvador und Nicaragua wandelt

von Najem Wali
erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Samstag, 14. November 2015

In seiner Rede anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises 1982 sprach Gabriel García Márquez über „die Einsamkeit Lateinamerikas“. Gut dreißig Jahre zuvor hatte ein anderer Nobelpreisträger, der Mexikaner Octavio Paz, über das „Labyrinth der (mexikanischen) Einsamkeit“ geschrieben.

„Einsamkeit“ scheint das Lieblingswort lateinamerikanischer Literaten zu sein. Und das trifft auch auf die Stimmung in den Ländern Zentralamerikas zu – mit Ausnahme von Costa Rica vielleicht, weil dieses Land für sich selbst den Mythos erschaffen hat, die „Schweiz Lateinamerikas“ zu sein. Seine Bewohner sollen einer jüngst veröffentlichten Statistik zufolge das glücklichste Volk der Welt sein, und es ist das einzige Land der Region, das weder Militärdiktaturen noch Bürgerkriege erleiden musste, ja nicht einmal eine eigene Armee hat. „In Zentralamerika stößt man doch täglich noch auf einen wahren Schatz an Geschichten!“, wie mir ein Schriftsteller aus Uruguay versicherte, der die Buchmesse in San José besucht hat. Seine Aussage entspricht der Wahrheit. In Ländern wie Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua zu leben ist eine Herausforderung. Nicht zuletzt darum ist die Literatur dieser Länder von Politik und der Auseinandersetzung mit der staatlichen Obrigkeit geprägt.

Bis zum Ende der achtziger Jahre, bis zum Ende des Kalten Krieges, mussten Schriftsteller aus diesen Ländern regelmäßig ins Exil gehen, wenn sie frei schreiben wollten. Heute, nachdem der Stern der Militärdiktatur gesunken ist und die Machthaber regelmäßig und friedlich durch Parlamentswahlen ausgetauscht werden, gibt es – zumindest formell – keine Zensur mehr. Jeder kann sich frei äußern. Dafür müssen die Autoren nun ihre Rolle neu suchen in Gesellschaften, die zwar Bürgerkriege überwunden haben, in denen jedoch viele alte Konflikte weiterschwelen. Heute finden sich Schriftsteller vielfach aufgerieben zwischen dem Hammer einer staatlichen Obrigkeit, die sich als demokratisch bezeichnet, aber die Kultur marginalisiert, und dem Amboss der schwierigen Sicherheitslage mit weitverbreiteter Kriminalität und Bandenwesen.

Lesen Sie den ganzen Artikel FAZ, 14. November 2015

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