Zeitenwende in den USA?

„Populismus und Demagogie haben gewonnen.“, sagt Najem Wali im Interview mit Radio Bremen. „Als ob das Volk seinen Peiniger selbst wählt.“

Das ist aber nicht neu in den USA. Das war bei Bush junior genauso, nachdem er mit Lügen einen Krieg gegen den Irak begonnen hat. Trump im Weißen Haus, das ist noch mehr Grund für mich, schöne Literatur zu schreiben. Das ist die einzige Form wie man als Mensch, der nur den Stift als Waffe hat, darauf reagieren kann. Was kann man sonst machen, außer Artikel schreiben, sich mehr engagieren und neue Kontakte zu suchen? Man darf nicht aufgeben, die liberalen Kräfte müssen sich neu formieren und eine Front gegen diesen populistischen Aufmarsch bilden. Vielleicht ist diese Wahl auch ein Weckruf. Es ist die Zeit gekommen für alle, die liberal denken, die für eine offene Welt eintreten, sich neu zu formieren. In den 80ern gab es eine starke Friedensbewegung, vielleicht ist jetzt wieder die Zeit für eine neue, starke Friedensbewegung.

„Bedeutet die Wahl von Donald Trump auch eine Zeitenwende für die Welt, für die Menschenrechte und die Demokratie?“, fragt Inken Steen in der Sendereihe Buchpiloten Najem Wali. Das ganze Interview hören Sie HIER

„Wer töten will, braucht eine Ideologie des Hasses.“

„Wer töten will, braucht eine Ideologie des Hasses“, meint Najem Wali, und diese muss nicht immer religiös motiviert sein.

Der 11. September 2001 markiert für viele Menschen eine Zäsur. Bei den von islamistisch-motivierten Terroristen aus Al Qaida-Kreisen organisierten Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon kamen mehr als 3.000 Menschen ums Leben. Sie versetzten eine Nation in Schock und stürzten Amerika in einen Krieg gegen den Terror.

Najem Wali nähert sich in seinem neuen Buch „Im Kopf des Terrors. Vom Töten mit und ohne Gott“ dem Terrorismus von Seiten der Literaturgeschichte und versucht, eine Kulturgeschichte des Terrorismus zu verfassen. Der Terror sei oft als Phänomen der jüngeren Gegenwart verstanden worden, dabei sei völlig in Vergessenheit geraten, dass er schon immer Stoff für große Literaten, für Hemingway, Sartre, Dostojewski oder Büchner, gewesen ist.

Am 15. Jahrestag des 11. Septembers spricht Karin Fischer mit Najem Wali. Das ganze Gespräch hören Sie HIER
Kulturfragen im Deutschlandfunk, 11. September 2016

Im Kopf des Terrors. Vom Töten mit und ohne Gott.

cover_1843Mein neues Buch „Im Kopf des Terrors. Vom Töten mit und ohne Gott.“ ist eine Kulturgeschichte des Terrorismus, ein literarisches Sachbuch, wie ich es nennen würde. Die Welt dreht sich einfach schneller, als ich einen Roman schreiben kann. Zudem ist es ungleich schwerer meinen Protagonisten etwas in den Mund zu legen, als es einfach selbst zu sagen. Im Roman verstecke ich das, was ich sagen will. Der Leser soll die Aussage finden und die Aussage soll wiederum zeitlos sein. Ein Sachbuch erlaubt es mir, direkter zu sein. Schriftsteller verstecken sich oft hinter sich selbst, sinnieren über ihr eigenes Leben. Hin und wieder sollte man allerdings über den Tellerrand schauen, seine Worte den aktuellen Ereignissen widmen und so Verantwortung übernehmen.

Mit „Im Kopf des Terrors“ erlaube ich mir, direkt zu sein. Ich nähere mich den Themen Terrorismus und Gewalt von Seiten der Literaturgeschichte. Weil wir den Terror oft als ein Phänomen der jüngeren Gegenwart verstehen und vielleicht auch verstehen wollen, ist mittlerweile völlig in Vergessenheit geraten, dass er schon immer Stoff für große Literaten, für Hemingway, Sartre, Dostojewski oder Büchner, gewesen ist.

Mein Buch soll nachdenklich machen, weil das Thema Terror komplex ist und wir uns zu oft mit eindimensionalen Erklärungen zufrieden geben. Was ich für besonders gefährlich halte, ist, dass wir stets versuchen den Terror als etwas Unnatürliches darzustellen und die Terroristen zu entmenschlichen – entweder indem wir sagen, dass sie krank sind oder dass sie einer kranken Ideologie folgen.

Ich freue mich, dass „Im Kopf des Terrors“ nun erscheint und hoffe auf eine angeregte Diskussion!

Im Kopf des Terrors. Vom Töten mit und ohne Gott. Von Najem Wali. Aus dem Arabischen von Markus Lemke. S. 160, Residenz Verlag, Salzburg, 2016.

Selbsternannte Herrscher über Leben und Tod

Was geht in den Köpfen von Terroristen vor? Damit beschäftigt sich Najem Wali in seinem neuen Buch „Im Kopf des Terrors. Vom Töten mit und ohne Gott“.

Najem Wali im Gespräch mit Sigrid Brinkmann
Deutschlandradio Kultur, 1. September 2016

Terroristen, die mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge fahren, Bombenleger und Selbstmordattentäter gehören mittlerweile zu unseren Schreckensbildern. Doch was geht in den Köpfen der Täter vor, was macht sie zu selbsternannten Herrschern über Leben und Tod? Sein Buch beginnt mit einem schockierenden  Ereignis: Vor knapp drei Jahren sprengten sich in Bagdad vier deutsche Selbstmordattentäter in die Luft. Für den Autor war das eine Art Initialzündung für das Nachdenken und Schreiben, so erzählt er im Deutschlandradio Kultur:  „Für mich war dieses Phänomen wirklich eine Herausforderung. Ich wollte wissen, warum diese Jugendlichen das tun.“ 

Das ganze Interview hören Sie HIER:

Deutscher Buchpreis – Longlist 2016

Die Longlist für den Deutschen Buchpreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels steht fest. 20 Titel hat die siebenköpfige Jury ausgewählt. Najem Wali spricht im Deutschlandradio Kultur über seine Erfahrungen als einziger Schriftsteller in der Jury. 

Dass die Wahl des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ihn, den Schriftsteller, für die Jury ausgewählt habe, sei ein „besonderer Fall“, sagt er im Interview. Da er nicht auf Deutsch, sondern in seiner Muttersprache Arabisch schreibe, sei er „keine Konkurrenz für die nominierten Autoren“ und somit auch nicht befangen in seinem Urteil. Außerdem habe der Börsenverein ein Zeichen setzen wollen „in diesen hitzigen Zeiten“: Auch er habe sein Leben in Deutschland vor 35 Jahren neu begonnen, nachdem er ins Exil gehen musste, sagte der studierte Germanist.

Foto: Claus Setzer
Foto: Claus Setzer

Das ganze Interview mit Najem Wali in der Sendung „Studio 9″ hören Sie HIER:

Das Haus der Träume in Bagdad

Ein geschichtsträchtiges Gebäude ist vom Abriss bedroht. Dank seines Erbauers steht es für einen multikulturellen Irak – also für das, was die Scharfmacher im Land heute vergessen machen wollen.

von Najem Wali

Fast hundert Jahre ist es alt. Der Bagdader Baumeister Sayyed Ka- zim bin Arif, einer der berühmtesten seiner Zunft, hat es errichtet. Alles an diesem Haus ist schön: die Rundbögen, die Zimmertüren, die Balustraden auf dem Flachdach, die hölzernen Fenster, der ausladende Balkon hoch über dem Tigris. Es wirkt fast, als habe die Hand des Meisters hier, von der historischen Al-Raschid-Straße aus leicht zurückgesetzt, Stein auf Stein sanft gestreichelt und liebevoll geformt, als habe sie gewusst, dass sie nicht nur ein Haus für einen Mann aus einer alteingesessenen Bagdader Handelsfamilie erbaute, die bekannt für ihren Reichtum war, sondern vor allem einen Ort schuf, der Träumen angemessen sein musste. Dass es so viele Räume und Etagen umfassen musste wie die Träume des Mannes, der darin schlafen und erwachen würde.

All die Jahre, die ich bis zu meiner Flucht am 28. Oktober 1980 ins Exil nach Deutschland in Bagdad lebte, hoffte ich, dieses Haus einmal betreten zu können. Mehr noch als sein Aussehen reizten mich die Geschichten, die man sich von der Privatbibliothek des Hausherrn erzählte. Es hieß, seine Bücher hätten so gut wie alle Zimmer des Hauses eingenommen, es sei die größte Privatbibliothek gewesen, die Bagdad je gekannt habe: Bücher in zahlreichen Sprachen, auf Arabisch und Türkisch, auf Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Deutsch, all jenen Sprachen, die der Hausherr las und schrieb. Bedauerlicherweise sind die meisten dieser Bücher wohl verloren gegangen, als die Ba’ath-Regierung 1970 im Zuge ihrer Hinrichtungswelle gegen Juden und Oppositionelle sich der Bi- bliothek bemächtigte. Zwar hieß es, die Bestände seien in die Sammlung des Irakischen Nationalmuseums gewandert, doch habe ich bei all meinen Besuchen dort nicht eines davon auffinden können.

Den ganzen Artikel lesen Sie HIER: Das Haus der Träume in Bagdad
erschienen im Feuilleton der FAZ am 17. August 2016 

„Für die Mädchen an der Uni war ich Omar Sharif“

Als junger Mann floh der Schriftsteller Najem Wali aus dem Irak. Das gelang ihm nur durch eine List.

Ein Interview von Ijoma Mangold

ZEITmagazin: Herr Wali, Sie sind 1980 aus dem Irak nach Deutschland gekommen. Wie haben Sie sich als Ausländer hier gefühlt?

Najem Wali: Natürlich gab es am Anfang Pöbeleien und Ablehnung auf der Straße. Aber damals war das alles nicht so zugespitzt wie heute. Und für die Mädchen an der Uni war ich Omar Sharif. Heute assoziiert man mit einem Araber das Bild von Bin Laden.

ZEITmagazin: Warum haben Sie den Irak verlassen?
Wali: Am 22. September 1980 begann der iranisch-irakische Krieg. Mein Jahrgang sollte eingezogen werden. Ich wusste: Das würde mein Tod sein.

ZEITmagazin: Und dann haben Sie in Deutschland Asyl beantragt?
Wali: Das war nicht so einfach. Meine ersten beiden Asylanträge wurden abgelehnt. Damals war man im Westen der Meinung: Saddam Hussein ist ein Demokrat.

ZEITmagazin: Wie begründeten Sie Ihren Asylantrag? Dass Sie als Deserteur im Irak der Tod erwarte?
Wali: Nein, das zählte nicht. Selbst deutsche Fahnenflüchtige der Nazizeit wurden erst 1998 rehabilitiert. Ich musste über meine politische Tätigkeit reden. Ich hatte in Bagdad als Schriftsteller und Journalist gearbeitet, und das war eine sehr politische Tätigkeit, die mich im Irak bereits ins Gefängnis gebracht hatte. Das musste ich dem Richter glaubwürdig nahebringen. Zum Glück gab es von mir schon Texte in deutschen Anthologien. Eines der Bücher hatte der Richter in meinem letzten Verfahren 1984 vor sich liegen, er hat daraus zitiert und war dadurch überzeugt, dass ich ein politischer Mensch bin.

ZEITmagazin: Als der Krieg begann, waren Sie 23 Jahre alt. Wie gelang Ihnen die Flucht?

Paris, Brüssel, Bagdad, Nizza: Terrorangriffe gegen das Leben

Die Anschläge trafen Orte, an denen junge Leute und Familien das Leben feiern. Der Wahhabismus sollte auf die Terrorliste der UN gesetzt werden.

von Najem Wali
TAZ am 20. Juli 2016

Eine weitere blutige Samstagnacht. Fast könnte man meinen, die Attentäter von Anfang Juli im Irak hätten zwei Hauptstädte vereinen wollen: Paris und Bagdad, zwei Hauptstädte, die Tausende von Kilometern trennen und die jetzt in Unglück und Blut vereint sind. 130 Tote und 383 Verletzte, so die Schreckensbilanz der Angriffe von Paris, 250 Tote und mehr als 220 Verletzte, dies das fürchterliche Ergebnis des Anschlags von Bagdad. Und das, bevor die Terroristen 12 Tage später einen weiteren blutigen Anschlag ausübten. Diesmal in Nizza, Bilanz: 85 Tote, zahlreiche Verletzen, Tendenz steigend.

Terror, Tod und Morde sind schwer miteinander zu vergleichen. Aber was sich in der Samstagnacht des 2. Juli in Bagdad ereignet hat, zwei Tage vor Ende des Fastenmonats Ramadan, quasi als Feiertagsgeschenk an die Iraker, muss uns andere blutige Ereignisse in Erinnerung rufen, die andere Städte auf der Welt heimgesucht haben, an erster Stelle Paris. Noch bevor der Anschlag in Nizza erfolgte, oder der Anschlag von Brüssel zuvor.

Und das nicht nur, weil der Anschlag von Bagdad der bislang schwerste in diesem Jahr war, und nicht nur aufgrund der Vielzahl von Opfern, die zumeist sehr jung und in ihren Zwanzigern waren, oder der Läden und Fahrzeuge, die in der Nähe des Explosionsortes in Flammen aufgingen, sondern vor allem wegen des von den Tätern gewählten Ziels: das Stadtviertel Karrada mit seiner von Einkaufspassagen gesäumten Hauptstraße.

Hier befindet sich eine der größten Shoppingmalls von Bagdad, das Al-Laith-Center, eine dreigeschossige Passage nach europäischem oder amerikanischem Vorbild. Sie war immer gut besucht und beherbergte ein internationales Angebot an Markenartikeln, ausgefallene Boutiquen, Parfümerien, Geschäfte für Haushaltsartikel, Taschen, Schuhe – einfach alles, wonach das Herz begehrt, Spielmöglichkeiten für Kinder und eine Vielzahl moderner Restaurants und Cafés inbegriffen.

Plastiksprengstoff des „IS“
Die verheerend große Zahl von Opfern in Bagdad nimmt von daher nicht Wunder. Sie fielen dem sogenannten C4-Sprengstoff zum Opfer, ein Plastiksprengstoff, von dem die Terroristen bei ihrer Schreckenstat mutmaßlich eine halbe Tonne verwendeten.

Welche Erwartungen haben Flüchtlinge?

Potsdam, 9. Juli 2016
Beim Literaturfestival Potsdam Brandenburg trafen sich Julia Franck, Uwe-Karsten Heye und Najem Wali DER HEIMAT SO FERN zu einem Gespräch über DREI GESCHICHTEN VON FLUCHT UND NEUANFANG.

© Dirk Bleicker
© Dirk Bleicker

In Graz sprach Najem Wali mit der Österreichischen Wochenzeitung Der Falter über die Erwartung von Flüchtlingen, die Ursachen des Dschihadismus und ihren Kindern ausgelieferte Eltern. Das Gespräch führte Gerlinde Pölsler, der Artikel erschien am 8. Juni 2016. Den ganzen Artikel finden Sie HIER

Literaturwerkstatt im Irak

Die schreibenden Frauen von Basra

Im Erzählen liegt die Rettung vor der Alltagskatastrophe: In einer Schreibwerkstatt im Irak verwandeln 25 Frauen verschiedener Herkunft das Unterdrückte in Geschichten.
Von NAJEM WALI

Die schreibenden Frauen von Basra
Die schreibenden Frauen von Basra, Juni 2016

Ein Prosaworkshop? Für Frauen in Basra? Meine letzte Reise in die irakische Hafenstadt lag schon zwei Jahre zurück, und ich erwartete nicht, dass sie sich positiv entwickelt hätte. Im Gegenteil, die Nachrichten von dort verhießen nichts Gutes, sei es, was die Zerstörung der Infrastruktur in den letzten Jahren anbetraf, sei es in Bezug auf den Niedergang staatlicher Autorität, das Nichtfunktionieren der Verwaltung oder die allgegenwärtige Korruption – die traditionelle Macht der Clans und den ausufernden Waffenbesitz nicht zu vergessen. Hinzu kommen die Ehrenmorde, denen jedes Jahr Dutzende von Frauen zum Opfer fallen. Unter derartigen Umständen also wollten beherzte deutsche Suffragetten dort eine Prosawerkstatt organisieren. Unter der Leitung eines Mannes. Ich nahm die Herausforderung an.
Den ganzen Artikel, erschienen in der FAZ, können Sie hier lesen: FAZ, Die schreibenden Frauen von Basra

Molenbeek als Chance

Kürzlich reiste Najem Wali nach Brüssel, um im «Problemquartier» Molenbeek zwei Lesungen zu geben. Für ihn haben Brüssel und Bagdad mehr als nur den Anfangsbuchstaben B gemeinsam. 

von Najem Wali
Neue Zürcher Zeitung, 2. Juni 2016

Schon auf dem Flug wurde klar, dass dies keine Reise war wie alle anderen. Die Zahl der leeren Plätze und die angespannten Gesichter der Passagiere liessen ahnen, dass man sich nicht mehr so einfach in ein Flugzeug nach Brüssel setzt. Und ich als Iraker denke bei einer solchen Gelegenheit unweigerlich an Bagdad. Es ist noch nicht lange her, dass die beiden Städte nur einen einzigen Buchstaben gemeinsam hatten. B. Wie Brüssel. Wie Bagdad. Das ist immer noch so. Aber der Buchstabe hat jetzt noch eine weitere Bedeutung: Bombe.P1050087

Nichts ist, wie es war
Kommt man in Brüssel an, ist nichts mehr wie zuvor. Statt in der grossen Flugzeughalle müssen die Passagiere vor einem Eingang bei den Parkplätzen warten, und von dort haben sie eine lange Strecke bis zur Haltestelle des Zuges zurückzulegen. Im Flughafen wie auch bei den Eingängen der Bahnstation und des Brüsseler Bahnhofs sind Soldaten mit Maschinengewehren postiert. In den Strassen zirkulieren Militärfahrzeuge in grosser Zahl, die Brüssel den Anstrich einer Stadt im Kriegszustand geben – besonders wenn man realisiert, wo diese Fahrzeuge früher im Einsatz waren. Es sind Jeeps der Kfor-Schutztruppen, die nach dem Kosovokrieg für Sicherheit im Konfliktgebiet sorgen sollten; die Lettern auf den Türen der Fahrzeuge sind noch immer kenntlich und scheinen jedem Versuch, sie zu entfernen, erfolgreich widerstanden zu haben.

Idomeni: Begegnungen an der griechisch-mazedonischen Grenze

Die Frau, die mich schätzen lässt, wie alt sie ist. Der 23-Jährige, der den Belgiern beweisen will, dass sich nicht hinter jedem langen Bart ein Terrorist versteckt. Der Alte, der mit einem „weisen Politiker“ über den Waffenhandel sprechen möchte. 

von Najem Wali, Mai 2016

Die Kleinstadt Polikastro, in der Präfektur Kilkis, Zentralmakedonien, im Norden Griechenlands gelegen, hatte bis vor Kurzem noch um ihren Platz auf der Landkarte zu kämpfen, da sie das Los aller Provinzstädte teilte: Die jungen Leute zogen weg, denn es fehlte an Jobangeboten. Inzwischen jedoch sieht die Situation ganz anders aus, da das Städtchen zu einer wichtigen Transitstation mutiert ist. Bis auf den Militärfriedhof für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen britischen Soldaten, der, wie alle anderen Militärfriedhöfe des Vereinigten Königreichs auf der ganzen Welt auch, an einen prachtvollen englischen Garten erinnert, hatte das Städtchen nichts, was es zu einer Attraktion für Besucher hätte machen können. Dies zumindest war der Stand der Dinge, bis die Republik Mazedonien seine Grenze zu Griechenland für Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Nordeuropa abriegelte.

Der Grenzübergang Idomeni zwischen Griechenland und Mazedonien ist ein Dorf mit knapp 300 Einwohnern, von denen die meisten in der Landwirtschaft arbeiten. Zur Zeit meiner Ankunft bestand von dort keine direkte Verbindung mehr zu den übrigenStädten Griechenlands, da der Zugverkehr, der Idomeni anbindet, eingestellt war, nachdem die Flüchtlinge ihre Zelte auf den Schienen errichtet hatten. Wer also etwas mit dem Flüchtlingslager in Idomeni zu tun hatte, von Berufs wegen oder als Besucher, musste sich eine andere Unterkunft suchen, und was wäre dafür eher in Frage gekommen als das Städtchen Polikastro, das nur zwölf Kilometer von Idomeni entfernt liegt?

Lecture-Performance „Hausbesuch“: Ein Bericht

Das Goethe-Institut Belgien lud Najem Wali am 11. und 12. Mai 2016 zur Lecture-Performance „Hausbesuch“ nach Brüssel ein. Die beiden Abende hätten unterschiedlicher nicht sein können. Najem Wali las aus seinem Roman Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt, diskutierte mit den anwesenden Gästen und tauschte sich mit ihnen aus.

Die erste Lesung fand in urgemütlicher Wohnzimmeratmosphäre mit anschließendem interessantem Austausch über IS-Terror und dessen Ursprung statt. Die zweite Lesung geschah vorwiegend mit irakischen und syrischen Flüchtlingen auf Arabisch. Ergreifende Momente, Musik, Gesang und der Austausch von Erfahrungen prägten diesen Abend.

Markus Bickel, freiberuflicher Journalist, war an beiden Abenden anwesend und schrieb danach einen Artikel Bagdad in Brüssel für die Berliner Zeitung, den Sie hier lesen können.

Im Kopf des Terrors

Nach Paris. Nach Brüssel. Mit Herostratos im Kopf, mit Sartre in der Tasche: Versuch einer Reise zum Jihad, seinen Gesichtern und Motiven.


Die Presse

Am 18. November 2015, fünf Tage nach den Anschlägen von Paris, einer Serie koordinierter Terrorangriffe mit gezieltem, wahllosem Feuer aus automatischen Waffen, Selbstmordexplosionen und Geiselnahmen im 10. und 11. Arrondissement, im Theater Bataclan und in der Rue Bichat, der Rue de la Fontaine au Roi und der Rue de Charonne, und gleich nach der Verlautbarung der französischen Behörden, der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge, ein Belgier mit marokkanischen Wurzeln, sei bei den Polizeirazzien im Pariser Vorort Saint-Denis getötet worden,fühlte ich mich stark an Herostrat erinnert. Doch in erster Linie nicht an den altgriechischen Brandstifter Herostratos, der im vierten Jahrhundert vor Christi lebte und durch die Zerstörung des Artemis-Tempels von Ephesus, eines der sieben Weltwunder der Antike, zu unsterblicher Berühmtheit gelangen wollte, sondern ich musste an jene Erzählung gleichnamigen Titels des Existenzphilosophen Jean-Paul Sartre denken, eine der fünf in dem Band „Le Mur“ (Paris 1939) versammelten Novellen.

Die Erzählung, die erstmals 1950 in deutscherÜbersetzung erschien und die ich ursprünglich Anfang der Siebzigerjahre auf Arabisch gelesen hatte (übersetzt von Hashim al-Husseini), handelt von Paul Hilbert, einem kleinen Angestellten, ledig, der in einer Handelsfirma arbeitet und allein in einer Pariser Wohnung im sechsten Stock eines allem Anschein nach neu errichteten Wohnhauses lebt. Wobei die Höhe hier von Bedeutung ist, denn die Erzählung setzt auf dem Balkon der Wohnung ein. „Die Menschen muss man von oben sehen“, mit diesem Satz beginnt der Held der Erzählung seine Geschichte, um uns darüber ins Bild zu setzen, wie diese Höhe, in der er sich befindet, ihn in den Stand versetzt, Menschen und Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, was ihn ein Gefühl der Überlegenheit empfinden lässt.

ZWISCHENTÖNE im Deutschlandfunk

Najem Wali im Gespräch mit Joachim Scholl

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Er war 24, als sein Land 1980 einen absurden Krieg gegen Iran vom Zaum brach: Der junge Iraker Najem Wali wollte kein Kanonenfutter sein, fälschte seinen Pass und desertierte nach Deutschland.

Nach einem Studium der Germanistik in Hamburg begann Najem Wali seinen Weg als Schriftsteller und Journalist. In Romanen, Erzählungen und Reportagen hat Najem Wali immer wieder die Konflikte in und mit der arabischen Welt reflektiert, zuletzt in seinem preisgekrönten Roman „Bagdad.Marlboro“.

Von seinem Leben als irakischer UND deutscher Schriftsteller erzählt Najem Wali in den „Zwischentönen“.

„Mir war klar, dass ich null bin und bei null anfangen muss“

Viele Flüchtlinge kommen mit zu hohen Erwartungen nach Deutschland, sagt Exilschriftsteller Najem Wali. Doch auch die Deutschen müssten sich um ein Miteinander bemühen.

von Markus Bickel
ZEITonline, 23. Februar 2016

Integration ist wie Kindererziehung: ein Haufen Mühe, unendlich Geduld und keine schnellen Erfolge. Das sagt Najem Wali, der aus eigener Erfahrung weiß, wie mangelnde Sprachkenntnisse und Ausschluss vom Arbeitsmarkt Neuankömmlinge rasch zu Außenseitern abstempeln können.

Mehr als ein halbes Leben ist es her, dass der irakische Exilschriftsteller dem Krieg entkam – damals dem seines Geburtslandes gegen den Iran. 24 Jahre jung war Wali, als er im November 1980 in Deutschland eintraf, getürmt über die Grenze zur Türkei, so wie Hunderttausende heute.

Dreieinhalb Jahrzehnte später schaut er sich deshalb jedes Mal selbst ins Gesicht, wenn er in den Straßen Berlins auf junge Männer trifft, die vor den Kämpfen im Irak und Syrien geflohen sind.

Deutscher Buchpreis 2016

Die Jury steht fest

Diese sieben Literaturexperten entscheiden, wer den Deutschen Buchpreis 2016 erhält: Die Akademie Deutscher Buchpreis hat Thomas Andre (Hamburger Abendblatt), Lena Bopp (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Berthold Franke (Goethe-Institut Prag), Susanne Jäggi (Librium Bücher, Baden), Christoph Schröder (freier Kritiker, Frankfurt am Main), Sabine Vogel (Berliner Zeitung) und Najem Wali (Autor und Kritiker, Berlin) in die diesjährige Jury berufen.

Im Osten nichts Neues

Kulturdebatte im SPIEGEL

Der syrische Dichter Adonis soll den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück bekommen. Was für ein Irrtum.
Von Najem Wali

Eigentlich sollte der Dichter Adonis am kommenden Freitag den Erich- Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück verliehen bekommen. Die Entscheidung hatte eine Debatte ausgelöst, die sich lange ausschließlich um die Frage drehte, ob der Dichter nun ob seiner uneindeutigen Haltung gegenüber dem Diktator Baschar al-Assad den Preis verdient habe oder nicht. Die Fragen, was Adonis mit Remarque verbindet und ob es wirklich Gemeinsamkeiten gibt in den Schriften und Taten der beiden, spielten keine Rolle. Und auch nicht, was der Dichter sonst so schreibt und denkt und sagt. Dabei geht es um mehr als nur um seine Haltung gegenüber einem Diktator.

„Deutschland muss sich viel mehr einsetzen“

Die DW traf Najem Wali beim Literaturfest München, wo er darüber sprach, wie Europa auf die Gefahr durch den ‚Islamischen Staat‘ reagieren soll.

DW: Der sogenannte ‚Islamische Staat‘ trägt Demagogie, Chaos und Mord inzwischen auch nach Europa. Wo hat der europäische Dschihadismus seine Wurzeln?
Najem Wali: Der ‚Islamische Staat‘ entstand anfänglich mit Finanzierung durch Saudi-Arabien und Katar, er hat seinen Kampf mit westlichen Waffen begonnen. Inzwischen ist er ein Staat mit eigenen Einkommensquellen, der in den von ihm beherrschten Gebieten Steuern erhebt. Die Dschihadisten verfügen über Bodenschätze, sie schmuggeln Öl über die Türkei nach Europa. Daneben haben sie immer noch einige Sponsoren in den Golfstaaten. Man schätzt, dass 28 Prozent des IS-Geldes von dort kommen.

Wenn wir von den Akteuren sprechen: Das sind Kids aus Europa, Desperados, die von außen instrumentalisiert und finanziert werden. Der Dschihadismus in Europa wird getragen von Jungs, die hier geboren sind, die sich marginalisiert und nicht anerkannt fühlen. Sie werden instrumentalisiert und ausgenutzt von einer Fanatikerideologie, die aus Saudi-Arabien kommt. Auch hier in Deutschland sollten wir uns zum Beispiel fragen, was aus den Kids geworden ist, die in den 90er Jahren in der saudischen Schule in Bonn ausgebildet wurden.

Saudi-Arabien bekämpft den Islamischen Staat inzwischen …
Jetzt. Und Saudi Arabien sagt auch, wer angeblich jetzt moderat sei: zum Beispiel die Al-Nusra-Front. Aber die Kämpfer der Al-Nusra-Front sind genau solche Mörder wie die des IS, die Front ist ein Ableger von Al-Qaida. Jetzt sagt man schon, Al-Qaida sei im Vergleich zum IS auch moderat. Das ist alles Schwachsinn. Ich persönlich möchte mir nicht von Saudi-Arabien diktieren lassen, wer gemäßigt und wer fanatisch ist. Fanatisch ist die Ideologie des Wahabismus. Das Phänomen des europäischen Dschihadismus ist deshalb so gefährlich geworden, weil die Politik so lange inaktiv war. Die Gefahr des Radikalismus wurde außer Acht gelassen und verharmlost, so lange der Terror außerhalb der Grenzen Europas stattgefunden hat.

„Dank dem Erzählen leben wir“

Najem Wali plädiert für die Macht der Literatur

Kann Literatur die Welt besser machen, kann eine schöne Erzählung ein Leben retten? Nein, meinen Skeptiker. Der irakische Schriftsteller Najem Wali versucht den Gegenbeweis.
Neue Zürcher Zeitung, 25. November 2015

Mein Vater pflegte mit Stolz zu erzählen, dass der erste Film, den er in seinem Leben sah, die Adaption von Erich Maria Remarques Roman «Im Westen nichts Neues» war. Er war damals noch ein Knabe, doch der Kinobesuch hat in seinem Leben eine bleibende Spur hinterlassen. Jahre später, als er ins wehrpflichtige Alter kam, hatte er die Wahl, entweder den Militärdienst zu absolvieren oder sich mit einer fixen Summe freizukaufen; obwohl seine Familie einen Kredit aufnehmen musste, um den Wehrpflichtersatz zu bezahlen, wählte er diese Option. Er habe ganz einfach keine Uniform tragen wollen, erzählte er mir später, und zunächst habe er nicht einmal realisiert, dass er mit diesem Entscheid den Einsichten Paul Bäumers, des Protagonisten von «Im Westen nichts Neues», gefolgt sei.

Macht und Ohnmacht
Ich glaube, mein Vater war nicht der Einzige, dem Remarque das Grauen vor dem Krieg und den Hass auf die Uniform eingeimpft hat; weltweit mögen Tausende die Botschaft von Buch oder Film vernommen und verstanden haben. Was nun, wenn die ganze Welt «Im Westen nichts Neues» lesen und beschliessen würde, den Kriegsdienst zu verweigern? Hätte dann nicht das Erzählen die Welt gerettet?

Remarque-Friedenspreis

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL erhebt Najem Wali neue Vorwürfe gegen Adonis

Sigrid Brinkmann fragt nach
FAZIT | Deutschlandradio Kultur
Beitrag vom 12.11.2015 anhören

Wali sagte, Adonis den Friedenspreis zu verleihen, bedeute, Erich Maria Remarque quasi posthum ein zweites Mal auszubürgern.

Allmählich sollte sich die Stadt Osnabrück wohl fragen, ob sie nicht eine grundfalsche Entscheidung getroffen hat. Die Kritik an der aufs Frühjahr verschobenen Vergabe des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises an den syrisch-libanesischen Dichter Adonis nimmt nicht ab. Der in diesem Jahr mit der Goethe-Medaille ausgezeichnete Philosoph Sadik Al-Azm attestierte Adonis „Orientalismus der übelsten Sorte“. Der Zentralrat der Muslime, Menschenrechtsaktivisten oder auch Stefan Weidner, Adonis‘ Übersetzer,  kritisierten dessen uneindeutige Haltung zum Assad-Regime. Nun meldet sich der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali mit weiteren Vorwürfen.

Der zweigeteilte Schriftsteller

„Ein Wort oder ein Satz muss duften wie frisches Brot“, sagte der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali im Deutschlandfunk.

Von Sigrid Brinkmann
Deutschlandfunk, 23. Oktober 2015

Der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali am Landwehr-Kanal in Berlin. (imago/stock&people) 

Najem Wali am Landwehr-Kanal in Berlin. (imago/stock&people)

Zweigeteilt fühlt sich der Schriftsteller: Ein Najem lebt in Berlin, der andere bleibt auf immer in Bagdad und wird nicht müde, von der Stadt seiner ersten unbändigen Sehnsucht zu erzählen. „Kolumbus entdeckte Amerika, ich Bagdad“ notiert der in Amâra, im Süden des Landes geborene Autor und nimmt den Leser von der ersten Seite an mit auf eine fantastische, lehrreiche und bisweilen melancholisch stimmende Entdeckungsreise – getragen von diesem einen Gefühl, dass Najem Wali klar benennt.

„Meine Liebe zu Bagdad hat mich veranlasst, dieses Buch zu schreiben, um den Menschen zu zeigen, wie schön diese Stadt war – die Stadt der Bücher, die Stadt der schönen Frauen mit Miniröcken, wer könnte das glauben? Selbst die jungen Leute im Irak, meine Neffen, wenn sie die Fotos sehen, das ist für sie wie Science-Fiction und sie denken, der Onkel hat eine Montage gemacht.“

Zwischen Sachbuch und Künstlerroman
Najem Wali beschwört den verlorenen Geist und das Flair der kosmopolitischen Weltstadt. Das mit vielen privaten Fotografien und alten Postkarten versehene und mit immenser Detailkenntnis geschriebene Werk hat die Qualitäten eines erzählenden Sachbuches, und doch kann man es ebenso gut als autobiographischen Künstlerroman lesen.

Traumstadt Bagdad – Eine erste Liebe

Wunderbar und entsetzlich – in den Sechzigern war Bagdad eine moderne Traumstadt, mit Straßenkreuzern und Casinos.

Sonja Zekri über Najem Walis neues Buch „Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“
Süddeutsche Zeitung, 12. Oktober 2014

Vater und Sohn sind glänzender Laune, der Ältere knapp dreißig, weißer Anzug, Krawatte, schmaler Schnurrbart, der Sohn sechs Jahre, gestreiftes Hemd, vor Aufregung halb tot. Folgendes ist ihr Plan für den ersten gemeinsamen Tag in der Hauptstadt: im Lieblingsplattenladen die neuesten Alben kaufen, die noch vor der Musik den Namen der Produktionsfirma abspielen. Im Buchladen Mackenzie nach neuen Ausgaben der deutschen Burda Moden schauen. Im Fotogeschäft ein Erinnerungsbild machen. Schließlich: einen Grundig-Fernseher bestellen, den das Geschäft zur Unterkunft in der Stadt und zu ihrem Auto liefert. Es ist ein gelber Chevrolet 60.

Jetzt die Eine-Million-Dollar-Frage: Von welcher Hauptstadt ist die Rede?

hr2 Kultur – Das aktuelle Kulturgespräch

Najem Wali zu Gast im Kulturcafé 
Bagdad macht heutzutage meist mit blutigen Anschlägen auf sich aufmerksam. Aber Najem Wali erinnert in seinem jüngsten Buch an die untergegangene Weltstadt. Er schildert die ganze Geschichte der irakischen Hauptstadt seit ihrer Gründung bis heute. Der Nukleus seinem Buchs ist jedoch das Bagdad, das er selbst erlebt hat: 1960, im Alter von sechs Jahren kam der Junge erstmals aus der Provinz in die Großstadt, später zog er zum Studium dorthin. 1980, nach Ausbruch des Iran-Irak-Kriegs, flüchtete der inzwischen studierte Literaturwissenschaftler und Literat nach Deutschland. Beitrag anhören
Buchtipp: „Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“, Hanser Verlag 2015
Quelle: © hr, 14.10.2015

Deutschlandradio

„Bagdad – Erinnerungen an eine Weltstadt“

Das neue Buch von Najem Wali zwischen Nostalgie und Utopie
Eine Betrachtung von Ingo Arend 

 Der deutsch-irakische Schrifsteller Najem Wali schreibt in „Bagdad – Erinnerungen an eine Weltstadt“ über sein Aufwachsen in der Hauptstadt Iraks – bis zur Flucht nach Deutschland 1980. Und er erinnert an die vergessene Moderne des Landes, das heute mit Fanatismus und Zerstörung assoziiert wird. Beitrag anhören.

nordwest radio

 „Bagdad -Erinnerungen an eine Weltstadt“

Das jüngstes Buch von Najem Wali ist soeben erschienen. Ein Untergangstitel – und einer, in dem ein endgültiger Verlust mitschwingt. Aber mitten im Chaos und in den Untergangszenarien sorgen Walis Erinnerungen dafür, dass wir die orientalische Metropole vergangenen Tage noch einmal mit allen fünf Sinnen aufnehmen können. Ein schrecklich-schönes Leseerlebnis – meint Katrin Krämer am Sonntag, 23. August 2015. Beitrag anhören.

Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch 2014

Najem Wali erhält Hauptpreis

Börsenblatt, 2. Januar 2015
Der im Irak geborene und in Berlin lebende Autor Najem Wali erhält den Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch 2014 − für seinen Roman „Bagdad… Marlboro“ (Hanser). Die mit 7.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Frühjahr in Wien überreicht.

Najem Wali thematisiere in seinem Roman „Bagdad Marlboro“ die nationalen Traumata der kriegsgeschädigten Iraker und erzähle die Geschichte zweier Soldaten, die zum Töten gezwungen werden und einen Weg der Läuterung suchen, so die Jury. Dabei strebe der Roman mit seiner doppelten Perspektive − aus irakischer und amerikanischer Sicht − nach einer ausgewogenen Betrachtung der Vorgänge im Irak.

Der Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch wird jedes Jahr vom Karl-Renner-Institut in Kooperation mit der sozialdemokratischen Bildungsorganisation verliehen. Mit diesem Preis wird im Sinne des Lebenswerks Bruno Kreiskys „politische Literatur geehrt und gefördert, die für Freiheit, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Toleranz, Kampf gegen Rechtsextremismus und für die Freiheit der Kunst einsteht“, heißt es auf der Website des Renner-Instituts. Neben dem Hauptpreis werden auch Preise für ein publizistisches Gesamtwerk, Anerkennungspreise und ein Verlagspreis vergeben.
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