Deutscher Buchpreis 2016

Die Jury steht fest

Diese sieben Literaturexperten entscheiden, wer den Deutschen Buchpreis 2016 erhält: Die Akademie Deutscher Buchpreis hat Thomas Andre (Hamburger Abendblatt), Lena Bopp (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Berthold Franke (Goethe-Institut Prag), Susanne Jäggi (Librium Bücher, Baden), Christoph Schröder (freier Kritiker, Frankfurt am Main), Sabine Vogel (Berliner Zeitung) und Najem Wali (Autor und Kritiker, Berlin) in die diesjährige Jury berufen.

Bagdad – die verlorene Stadt

Muslime beim Freitagsgebet in der Imam Mousa al-Kadhom Moschee in Bagdad (dpa / picture alliance / Ali Abbas)
Muslime beim Freitagsgebet in der Imam Mousa al-Kadhom Moschee in Bagdad (dpa / picture alliance / Ali Abbas)

Deutschlandradio Kultur
Marie Sagenschneider über „Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“
von Najem Wali (Carl Hanser Verlag 2015)
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Bagdad blickt auf eine lange Geschichte zurück. Einst war die Stadt im heutigen Irak der kulturelle Nabel der Welt. Davon erzählt das neue Buch des Schriftstellers Najem Wali – und von persönlichen Erinnerungen.
Najem Wali erzählt die Geschichte einer verlorenen Stadt: Bagdad, dessen große Blütezeit um 800 lag, als Harun-al-Raschid sie zum kulturellen Nabel der Welt machte. Wali verknüpft die Geschichte Bagdads mit seinen persönlichen Erinnerungen, führt uns durch Straßen und durch historische Ereignisse, und obwohl man weiß, dass es dieses Bagdad nicht mehr gibt, möchte am liebsten sofort seine Koffer packen und dorthin hinreisen.

Najem Wali bei ARD-alpha

In seinem jüngsten Roman „Bagdad: Erinnerungen an eine Weltstadt“ (2015) lässt Najem Wali noch einmal „sein Bagdad“ Revue passieren.
„Ich erzähle ein Schicksal, ich erzähle die Geschichte eines Menschen und wie er gelebt hat. Ich beschreibe das, was mich dabei interessiert. Welche Schlüsse dann daraus gezogen werden, überlasse ich dem Leser. Wenn man Geschichten erzählt, die von Flucht, Gefängnis oder Krieg handeln, dann kommt im Hintergrund natürlich immer die Politik mit in die Geschichte hinein. Man kann nicht so tun, als wäre sie nicht da, denn wenn es z. B. einen Krieg gibt, dann muss es einen politischen Grund dafür geben; wenn es eine Massenflucht gibt, dann muss es dafür im Hintergrund auch politische Gründe geben.“

Diwan – Das Büchermagazin

Von der Münchner Bücherschau – 21.11.2015
„Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“: Najem Wali über Bagdads Moderne und die Zerstörung/ „Der Automobilclub von Kairo“: Bestseller-Autor Alaa al-Aswami über das Kairo der 40er Jahre und die Revolution/ „Die Poetry Slam Fibel“: Slam-Pionier Bas Böttcher und Beatboxer Dalibor Markovic? über 20 Jahre Poetry Slam und aktuelle Texte/ Hörbuch der Woche: F.Scott und Zelda Fitzgerald auf der „Straße der Pfirsiche“/ Das literarische Rätsel-Taxi/ Moderation: Cornelia Zetzsche Beitrag anhören

Remarque-Friedenspreis

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL erhebt Najem Wali neue Vorwürfe gegen Adonis

Sigrid Brinkmann fragt nach
FAZIT | Deutschlandradio Kultur
Beitrag vom 12.11.2015 anhören

Wali sagte, Adonis den Friedenspreis zu verleihen, bedeute, Erich Maria Remarque quasi posthum ein zweites Mal auszubürgern.

Allmählich sollte sich die Stadt Osnabrück wohl fragen, ob sie nicht eine grundfalsche Entscheidung getroffen hat. Die Kritik an der aufs Frühjahr verschobenen Vergabe des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises an den syrisch-libanesischen Dichter Adonis nimmt nicht ab. Der in diesem Jahr mit der Goethe-Medaille ausgezeichnete Philosoph Sadik Al-Azm attestierte Adonis „Orientalismus der übelsten Sorte“. Der Zentralrat der Muslime, Menschenrechtsaktivisten oder auch Stefan Weidner, Adonis‘ Übersetzer,  kritisierten dessen uneindeutige Haltung zum Assad-Regime. Nun meldet sich der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali mit weiteren Vorwürfen.

Der zweigeteilte Schriftsteller

„Ein Wort oder ein Satz muss duften wie frisches Brot“, sagte der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali im Deutschlandfunk.

Von Sigrid Brinkmann
Deutschlandfunk, 23. Oktober 2015

Der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali am Landwehr-Kanal in Berlin. (imago/stock&people) 

Najem Wali am Landwehr-Kanal in Berlin. (imago/stock&people)

Zweigeteilt fühlt sich der Schriftsteller: Ein Najem lebt in Berlin, der andere bleibt auf immer in Bagdad und wird nicht müde, von der Stadt seiner ersten unbändigen Sehnsucht zu erzählen. „Kolumbus entdeckte Amerika, ich Bagdad“ notiert der in Amâra, im Süden des Landes geborene Autor und nimmt den Leser von der ersten Seite an mit auf eine fantastische, lehrreiche und bisweilen melancholisch stimmende Entdeckungsreise – getragen von diesem einen Gefühl, dass Najem Wali klar benennt.

„Meine Liebe zu Bagdad hat mich veranlasst, dieses Buch zu schreiben, um den Menschen zu zeigen, wie schön diese Stadt war – die Stadt der Bücher, die Stadt der schönen Frauen mit Miniröcken, wer könnte das glauben? Selbst die jungen Leute im Irak, meine Neffen, wenn sie die Fotos sehen, das ist für sie wie Science-Fiction und sie denken, der Onkel hat eine Montage gemacht.“

Zwischen Sachbuch und Künstlerroman
Najem Wali beschwört den verlorenen Geist und das Flair der kosmopolitischen Weltstadt. Das mit vielen privaten Fotografien und alten Postkarten versehene und mit immenser Detailkenntnis geschriebene Werk hat die Qualitäten eines erzählenden Sachbuches, und doch kann man es ebenso gut als autobiographischen Künstlerroman lesen.

Traumstadt Bagdad – Eine erste Liebe

Wunderbar und entsetzlich – in den Sechzigern war Bagdad eine moderne Traumstadt, mit Straßenkreuzern und Casinos.

Sonja Zekri über Najem Walis neues Buch „Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“
Süddeutsche Zeitung, 12. Oktober 2014

Vater und Sohn sind glänzender Laune, der Ältere knapp dreißig, weißer Anzug, Krawatte, schmaler Schnurrbart, der Sohn sechs Jahre, gestreiftes Hemd, vor Aufregung halb tot. Folgendes ist ihr Plan für den ersten gemeinsamen Tag in der Hauptstadt: im Lieblingsplattenladen die neuesten Alben kaufen, die noch vor der Musik den Namen der Produktionsfirma abspielen. Im Buchladen Mackenzie nach neuen Ausgaben der deutschen Burda Moden schauen. Im Fotogeschäft ein Erinnerungsbild machen. Schließlich: einen Grundig-Fernseher bestellen, den das Geschäft zur Unterkunft in der Stadt und zu ihrem Auto liefert. Es ist ein gelber Chevrolet 60.

Jetzt die Eine-Million-Dollar-Frage: Von welcher Hauptstadt ist die Rede?

hr2 Kultur – Das aktuelle Kulturgespräch

Najem Wali zu Gast im Kulturcafé 
Bagdad macht heutzutage meist mit blutigen Anschlägen auf sich aufmerksam. Aber Najem Wali erinnert in seinem jüngsten Buch an die untergegangene Weltstadt. Er schildert die ganze Geschichte der irakischen Hauptstadt seit ihrer Gründung bis heute. Der Nukleus seinem Buchs ist jedoch das Bagdad, das er selbst erlebt hat: 1960, im Alter von sechs Jahren kam der Junge erstmals aus der Provinz in die Großstadt, später zog er zum Studium dorthin. 1980, nach Ausbruch des Iran-Irak-Kriegs, flüchtete der inzwischen studierte Literaturwissenschaftler und Literat nach Deutschland. Beitrag anhören
Buchtipp: „Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“, Hanser Verlag 2015
Quelle: © hr, 14.10.2015

nordwestradio – Buchtipp

„Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“

Über die Frankfurter Buchmesse zu schlendern ist aufregend, man sieht viel Neues und man entwickelt auch ein Gespür für die großen Themen, Fragen und Ungewissheiten, die uns aktuell beschäftigen. Dass derzeit so viele Menschen auf der Flucht sind, und dass wir uns in Europa so unglaublich schwer tun, diesen Menschen zu helfen, das ist natürlich diesmal das alles bestimmende Thema. In letzter Zeit sind einige wichtige Bücher dazu erschienen. Eines stammt von einem Autor, der selbst fluchtartig sein Land verlassen hat: Najem Wali, heute einer der wichtigsten Schriftsteller deutscher Sprache, der eigentlich aus dem Irak stammt. In seiner Jugend träumte er von Bagdad, als junger Mann lebte er dort und 1980 – zu Beginn des Irak-Iran-Krieges – verließ er die Stadt, sein Land, sein bisheriges Leben und kam nach Deutschland. Jetzt erzählt er uns von seinem Bagdad noch einmal, und im Gespräch mit Silke Behl, teilt er mit, was ihn bewogen hat, diesen (auch scherzhaften) Erinnerungen noch einmal Raum zu geben. Beitrag anhören
Autorin: Silke Behl

#FBM15 Countdown

Najem Wali und die Toleranz der Literatur

IM LAND DER DICHTER UND DENKERPortraitWali
Am 14. Oktober wird der irakische Schriftsteller und Journalist Najem Wali den diesjährigen Weltempfang zum Thema “Grenzen in Zeiten von Flucht und Vertreibung” mit eröffnen. Wali, der 1980 nach Ausbruch des Iran-Irak-Kriegs selbst nach Deutschland floh, erzählt uns im Interview, wie Literatur Brücken schlagen und für mehr Verständnis zwischen den Kulturen sorgen kann.

Der Weltempfang

Willkommen im Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung auf der Frankfurter Buchmesse. Der Weltempfang ist traditionell der Ort für Diskussionen und Gespräche mit internationalen Autoren zu politischen Themen. In diesem Jahr ist er erstmals in Halle 3.1 verortet, Thema ist „Grenzverläufe“.

fbm: Herr Wali, wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse waren, und wie Sie das Erlebnis empfunden haben?

Najem Wali: Ja, das habe ich noch sehr deutlich in Erinnerung. Das war 1985, ich studierte damals Germanistik in Hamburg. Ich war mit einem chilenischen Freund dort, der sich den chilenischen Stand ansehen wollte. Ein älterer Mann am Stand sprach mich auf Spanisch an und glaubte mir einfach nicht, dass ich kein Chilene bin. Er dachte die ganze Zeit, ich wolle ihn auf den Arm nehmen. Erst als ich ihm meinen Ausweis zeigte, sah er seinen Irrtum ein – meinte dann aber, ich müsse unbedingt Spanisch lernen – und zwar chilenisches Spanisch. Dieses Erlebnis habe ich noch sehr lebendig in Erinnerung. Seitdem bin ich oft auf der Frankfurter Buchmesse gewesen. Und seit 2004 mein erstes Buch bei Hanser erschienen ist, war ich fast jedes Jahr da. Die Messe ist für mich eine wichtige Gelegenheit, Kollegen und Freunde aus der ganzen Welt zu treffen.

fbm: Wie kann Literatur dazu beitragen, dass Menschen mehr Toleranz für andere Kulturen und Denkweisen entwickeln? 

Deutschlandradio

„Bagdad – Erinnerungen an eine Weltstadt“

Das neue Buch von Najem Wali zwischen Nostalgie und Utopie
Eine Betrachtung von Ingo Arend 

 Der deutsch-irakische Schrifsteller Najem Wali schreibt in „Bagdad – Erinnerungen an eine Weltstadt“ über sein Aufwachsen in der Hauptstadt Iraks – bis zur Flucht nach Deutschland 1980. Und er erinnert an die vergessene Moderne des Landes, das heute mit Fanatismus und Zerstörung assoziiert wird. Beitrag anhören.

nordwest radio

 „Bagdad -Erinnerungen an eine Weltstadt“

Das jüngstes Buch von Najem Wali ist soeben erschienen. Ein Untergangstitel – und einer, in dem ein endgültiger Verlust mitschwingt. Aber mitten im Chaos und in den Untergangszenarien sorgen Walis Erinnerungen dafür, dass wir die orientalische Metropole vergangenen Tage noch einmal mit allen fünf Sinnen aufnehmen können. Ein schrecklich-schönes Leseerlebnis – meint Katrin Krämer am Sonntag, 23. August 2015. Beitrag anhören.

Nibelungenfestspiele in Worms

Screen Shot 2015-07-30 at 16.21.42Am Freitag, den 14. August, habe ich die Ehre in Worms im Rahmenprogramm der Nibelungenfestspiele die erste Rede zu halten.

15.30 Uhr / Château Schembs – Försterbau
REDE I VON NAJEM WALI
Der Autor Najem Wali, in dessen Heimat Irak Kriegszustand herrscht, ist eingeladen, über seine heutige Sicht auf das Nibelungenlied und dessen grenzüberschreitende Aktualität zu sprechen.

Anspruchsvolles Rahmenprogramm mit aktuellen Bezügen

Das Festspielprogramm findet mit einem von Albert Ostermaier kuratierten und hochkarätig besetzten Programm seinen Abschluss. Einige der herausragendsten deutschen Schauspieler, spannende Autoren aus der ganzen Welt sowie Deutschlands beste Spoken-Word-Poeten trafen sich, um sich den brennenden Fragen unserer Zeit zu stellen. Mit dabei waren unter anderem Jurij Andruchowytsch, Abasse Ndione, Feridun Zaimoglu, Volker Braun, Rawi Hage, Najem Wali, Alawiyya Sobh, Sherko Fatah, Hannelore Elsner, Thomas Thieme, Udo Samel, Marcel Reif, Stefan Weidner, DJ Munk und Peter Licht.

Albert Ostermaier: „Ich bin über das, was wir hier beim Rahmenprogramm erlebt haben, mehr als glücklich. Die Künstler haben mit ihren herausragenden Texten und Beitragen auf faszinierende Weise das Nibelungenlied als Spiegel der Gegenwart belebt. Wir haben Blickwinkel erleben dürfen, die immer auch Blickwechsel waren und neue, überraschende, begeisternde Perspektiven eröffnet. Das Festival war politisch, poetisch, provokant und zugleich voller Witz und Esprit. Es kam zu Begegnungen, die wieder zu neuen Projekten führen und Worms als Ursprung haben werden. Das Publikum war nicht nur hautnah dabei, sondern im Gespräch und Austausch mit allen Teilnehmern. So kann es weitergehen!“

Najem Wali: „Ich schreibe immer aus der Erinnerung“

In seinem Roman «Bagdad Marlboro» erzählt der irakische Schriftsteller Najem Wali von einem Land im Krieg. Heute erhält der zurzeit in der Villa Sträuli lebende Autor in Wien den Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch. Wie schreibt man aus der Distanz des Exils so einen Roman?

Als 1980 der Iran-Irak-Krieg begann, entzog sich Najem Wali der Einberufung in die Armee und floh nach Deutschland. Auf Desertion stand unter Saddam Hussein die Todesstrafe: Bis zu dessen Ende 2003 durfte Wali seine Heimat, in der bis heute seine Eltern leben, nur noch heimlich besuchen. In Hamburg und Madrid studierte er dar­auf deutsche und spanische Literatur. Heute ist der Autor, der 1956 in Basra geboren wurde, in Europa eine der bekanntesten Stimmen der arabischen Welt.

Als Journalist schreibt er nicht nur für die im Libanon erscheinende arabische Tageszeitung «Al-Hayat», er meldet sich auch regelmässig in den grossen deutschsprachigen Zeitungen zu Wort. So berichtete er etwa im ­Januar in der «Neuen Zürcher Zeitung» über die arabischen ­Reaktionen auf das Attentat in Paris. Seine Bücher erscheinen im Hanser-Verlag. Für das jüngste, den vor einem Jahr erschienenen Anti­kriegsroman «Bagdad Marlboro», erhält Wali heute in Wien den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch. Zum Artikel

Vom Glück, den Krieg überlebt zu haben

Hamburger Abendblatt, 6. Februar 2015

Hamburg. Der irakische Schriftsteller Najem Wali stellt seinen aktuellen Roman „Bagdad Marlboro“ anlässlich der Lessingtage im Nachtasyl vor. Dabei treibt ein schlechtes Gewissen den Autor zum Schreiben an.

Irgendwann erzählte der Mann, dieser Mann mit jener eindrucksvollen Vita, von seiner Schwester. Der Schriftsteller Najem Wali hat die Schwester, eine von fünf, aus Bagdad nach Deutschland geholt. Es war gleichsam eine Flucht aus dem Irak, das chronisch instabile Land hatte auch er selbst schon Jahrzehnte vorher verlassen. Die Schwester, eine Arzthelferin, lebt jetzt in Dresden. Zurzeit will sie wieder fliehen.

„Wegen Pegida“, erklärte Wali – und lachte.

Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch 2014

Najem Wali erhält Hauptpreis

Börsenblatt, 2. Januar 2015
Der im Irak geborene und in Berlin lebende Autor Najem Wali erhält den Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch 2014 − für seinen Roman „Bagdad… Marlboro“ (Hanser). Die mit 7.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Frühjahr in Wien überreicht.

Najem Wali thematisiere in seinem Roman „Bagdad Marlboro“ die nationalen Traumata der kriegsgeschädigten Iraker und erzähle die Geschichte zweier Soldaten, die zum Töten gezwungen werden und einen Weg der Läuterung suchen, so die Jury. Dabei strebe der Roman mit seiner doppelten Perspektive − aus irakischer und amerikanischer Sicht − nach einer ausgewogenen Betrachtung der Vorgänge im Irak.

Der Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch wird jedes Jahr vom Karl-Renner-Institut in Kooperation mit der sozialdemokratischen Bildungsorganisation verliehen. Mit diesem Preis wird im Sinne des Lebenswerks Bruno Kreiskys „politische Literatur geehrt und gefördert, die für Freiheit, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Toleranz, Kampf gegen Rechtsextremismus und für die Freiheit der Kunst einsteht“, heißt es auf der Website des Renner-Instituts. Neben dem Hauptpreis werden auch Preise für ein publizistisches Gesamtwerk, Anerkennungspreise und ein Verlagspreis vergeben.
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SWR2 – Forum

Sind Diktatoren das kleinere Übel für die arabische Welt?

Sehnsucht nach der starken Hand. Gesprächsleitung: Martin Durm
Es diskutieren: Bernd Erbel – Botschafter a.D. in Kairo, Bagdad, Teheran, Prof. Dr. Michael Stürmer – Historiker und Chefkorrespondent der „Welt“, Berlin, Najem Wali – irakischer Schriftsteller und Journalist
17.07.2014 | 41:58 Min. | Quelle: SWR

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Kriegsroman „Bagdad Marlboro“

Schuld und Chaos 

von Meike Feßmann
Der Tagesspiegel, 28.04.2014

Welche Schlacht? Welche Front? In seinem großen Kriegsroman „Bagdad Marlboro“ lässt der in Berlin lebende Iraker Najem Wali viele Details im Ungewissen und kommt so der Erfahrung von Soldaten erschreckend nah.

Sturz des Diktators. Im April 2003 eroberten die US-Truppen Bagdad.Sturz des Diktators. Im April 2003 eroberten die US-Truppen Bagdad.
FOTO: PICTURE ALLIANCE / DPA

 

„Bagdad Marlboro“ – die Namen zweier Zigarettenmarken, irakisch die eine, amerikanisch die andere, bilden den Titel des neuen Romans von Najem Wali – einem Höllentrip durch die Kriege des Irak. Najem Wali, der 1956 in der südirakischen Hafenstadt Basra geboren wurde, zu Beginn des irakisch-iranischen Kriegs nach Deutschland floh und heute in Berlin lebt, will die Leiden der Soldaten nicht nach Nationen und Religionen gewichten. Das Credo seines Erzählgeflechts, voller Geschichten, die begonnen und abgebrochen, variiert und zu Ende gesponnen werden, ist bei aller Raffinesse denkbar schlicht: „Alle wissen, dass es in jedem Krieg um nichts anderes geht als um den Tod. (…) Es ist die einzige Wahrheit, die für alle Kriege gilt, die aber niemand offen ausspricht.“

In einer Sprache zwischen Poesie, Fabulierlust, Faktenwissen und nüchterner Proklamation einfacher, aber oft verborgener Wahrheiten schickt Wali den Leser auf eine Tour de Force. Dass sie immer wieder zur Tortur wird, hat weniger mit der Brutalität der Szenen zu tun, in dieser Hinsicht hält sich der Autor eher zurück, als mit dem Gefühl, sich auf schwankendem Boden zu bewegen. Oft weiß der Leser nicht, wo er sich befindet: in welchem der Kriege, an welcher Front? So wird er nicht nur zum Dechiffrieren gezwungen, sondern auch in eine Situation versetzt, die mit der eines Soldaten einiges gemeinsam hat.

Chronist der Kriegsverbrechen

Buchkritik zu „Bagdad Marlboro. Ein Roman für Bradley Manning“

von Sigrid Brinkmann
Deutschlandradio Kultur, 22. April 2014

„Die Welt ist ein Saustall, der Irak ihr Zentrum“, befindet der Ich-Erzähler in diesem Roman. Najem Wali gibt darin auf poetische Weise Zeugnis von den gewaltigen Umbrüchen in seinem Heimatland Irak – und würdigt nebenbei den Wikileaks-Informanten Bradley Manning.

22 Jahre nach seiner Flucht ins Exil kehrte der in Berlin lebende Najem Wali 2002 zum ersten Mal zurück in sein Geburtsland. Seither reist er Jahr für Jahr in den Irak. Weil die Menschen dort von kaum etwas anderem als den Verwüstungen des Krieges erzählten, schlüpft der 58 Jahre alte Autor aufs Neue in die Rolle des verlässlichen Chronisten kriegerischer Verbrechen und ethnischer Säuberungen.

„Die Welt ist ein Saustall, der Irak ihr Zentrum“, befindet der Ich-Erzähler, ein ehemaliger Tierarzt, der wie Tausende von Irakern aus Furcht vor Verfolgung den Namen wechselte und so lange von Ort zu Ort zog, bis die Ausreise in die USA gelang. „Bagdad Marlboro“ erschien 2012 in Beirut, ein Jahr vor Beginn des Prozesses gegen den Whistleblower Bradley Manning. Im amerikanischen Garnisonsstädtchen Fort Meade, wo der Fall verhandelt wurde, endet Walis Roman. Der Autor verneigt sich vor dem Mann, der Dokumente über Verbrechen der US-Streitkräfte an die Wikileaks-Plattform weiterleitete und mit diesem Akt bewies, dass man inmitten der „Hölle“ einer um sich greifenden Verrohung widerstehen und ethisches Urteilsvermögen sehr wohl bewahren kann.